Nicht von Kurt Tucholsky…

…aber trotzdem ein gutes Gedicht:

Höhere Finanzmathematik

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Die Story, die sich um dieses Gedicht und seinen Urheber rankt, ist zwar nicht mehr ganz aktuell, aber dennoch interressant. Weitere Informationen diesbezüglich gibt’s bei der Tucholsky Gesellschaft (Eintrag des 29.10.2008), im Sudelblog hier und hier oder bei Frank Meyer.

11. Mar 2010   Posted in: Wirtschaftskrise, Zitate, Aphorismen, Geschichten & Lyrik  No Comments

Artikelschau: Kritik an Monetative und deren Antwort & Suche nach anderem Wirtschaftssystem

Helmut Creutz hat in der Zeitschrift “Humane Wirtschaft” eine Kritik (pdf) zur Initiative der Monetative verfasst. Die Monetative-Initiative fordert die Abschaffung der Giralgeldschöpfung durch Geschäftsbanken und die damit verknüpfte Geldschöpfung allein in öffentlicher Hand. Dadurch sollen Wirtschaftskrisen durch exzessive Kreditausweitung verhindert bzw. abgemildert werden.

Die Replik der Monetative auf Creutz’ Artikel ist hier (pdf) zu lesen.

Dann sei hier noch ein Interview mit Prof. Günter Emde verlinkt, das ich auf der Seite von Franz Alt entdeckt habe. Emde fordert ein anderes Wirtschafts- und Geldsystem, das letztlich auf den Gesellschen Ideen des umlaufgesicherten Geldes basieren soll. Das Interview in der pdf-Fassung hat interessante Grafiken u.a. zu Vermögensverteilung und Zinslasten/Zinserträgen; die letztgenannte Grafik stammt übrigens von Helmut Creutz, womit sich der Kreis dieses Blogeintrags geschlossen hat. Viel Spaß bei Lesen!

5. Mar 2010   Posted in: Bankenwesen, Geldsystem, Wirtschaftskrise, Wirtschaftsordnung  No Comments

Marie-Monique Robin: Monsanto – Mit Gift und Genen

Monsanto ist ein weltumspannender, 12 Mrd Dollar umsatzschwerer Großkonzern mit Sitz in den USA, der sein Geld mit Saatgut, Herbiziden und transgenen Pflanzen verdient. Manch einem ist sicher noch das letztjährige Hickhack um die Zulassung des Monsanto-Genmaises MON810 in Deutschland im Gedächtnis. Die Journalistin Marie-Monique Robin hat in Kooperation mit Arte diesen Konzern kritisch unter die Lupe genommen, ist seinen Geschäften in mehreren Erdteilen nachgegangen und hat in der (düsteren) Vergangenheit der Firma gekramt. Herausgekommen ist der Film “Monsanto – Mit Gift und Genen”, der 2008 auf Arte das erste mal lief. Der Film ist ein bedrückendes Lehrstück über Lobbyismus, Verflechtung von Regierungen mit Großkonzernen, Vertuschung, Fälschung von wissenschaftlichen Ergebnissen und Skrupellosigkeit beim Durchsetzen von Marktmacht ohne ethische Standards. Pradikat: Absolut sehenswert.

Gibt’s auch auf DVD, die z.B. in der Münchner Stadtbibliothek auszuleihen ist.

19. Feb 2010   Posted in: Filme, Korporatokratie, Lobbyismus  One Comment

Alan Rosenblith: The Money Fix

Ich möchte allen Geldsysteminteressierten den Film “The Money Fix” von Alan Rosenblith ans Herz legen; es ist ein weiterer Film zum Thema Geldsysteme, ihren Problemen unter dem momentanen Setup und nachhaltigen Alternativen dazu. Die erste halbe Stunde des Films führt den Zuseher an das Thema heran. Folgende Punkte werden thematisiert: privates Federal Reserve System, fraktionales Reservesystem, Geldschöpfung durch Privatbanken, edelmetallgedeckte Währungen, Geschichte des US-Währungssystems, Giralgeld vs. Papiergeld, Probleme des Zinssystems, Geldknappheit und dessen Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit.

Es wird im Mittelteil des Films ein Zusammenhang zwischen natürlichen Systemen (wie z.B. dem Ökosystem Baum) und unserer Wirtschaft aufgezeigt. Natürliche Systeme basieren dabei viel mehr auf Kooperation als auf Wettbewerb, wohingegen unser momentanes Wirtschaftssystem eher auf Wettbewerb als auf Kooperation fußt. Diese Tatsache wird durch die heute herrschende Doktrin der “modernen Welt in permanenter Knappheit” begründet; im Film wird das, frei übersetzt, “Es-gibt-nicht-genug-Glaubenssystem” genannt. Als eine wichtige Säule dieses Glaubenssystems wird die notorische Geldknappheit dargestellt.

Das letzte Drittel des Films bietet Lösungsansätze zu den Problemen unseres heutigen Geld- und Wirtschaftssystems. Es werden regionale Komplementärwährungen wie z.B. die RiverHours, Zeittauschsysteme/Kredittauschsysteme (mutual credit systems) wie Fourth Corner Exchange und Bartersysteme porträtiert. Besonders die zinslosen Kredittauschringe werden ausführlicher behandelt. Diese Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass der Geldschöpfungsschritt nicht wie im momentanen System die Kreditnahme ist, sondern die Erbringung einer Arbeitsleistung oder der Besitzwechsel einer Ware.

Der Film steht unter CC-Lizenz und ist in mehreren Sprachen untertitelt. “The Money Fix” besteht im wesentlichen aus Interviews mit Menschen, die sich mit Geldsystemen befassen; hier sticht vor allem Bernard Lietaer hervor, einer der Fürsprecher von alternativen Währungssystemen.

“The Money Fix” wird am 20. Februar 2010 auf dem Big Sky Documentary Filmfest gezeigt werden. Viel Erfolg!

17. Feb 2010   Posted in: Bankenwesen, Filme, Geldsystem, USA  4 Comments

Die Kuchenblechmafia

Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise flüchtet so mancher ins Edelmetall, welches natürlich auch sicher verwahrt werden will. Den Banken ist nicht zu trauen, also muss ein Tresor her. Gut dass es Firmen wie die MCR TRESOR- UND GELDSCHRANK-VERTRIEBS GMBH gibt, denn die sympathischen Herren der Firma warnen uns vor Billigtresoranbietern, der sogenannten Kuchenblechmafia. Im folgenden Mitschnitt führen sie uns eindrucksvoll vor Augen, wie einfach und im Handumdrehen ein Tresor der Kuchenblechmafia zu knacken ist.

Was man noch lernt: Der Kleidungskodex in der Tresorbranche folgt eigenen Regeln.

(via)

9. Feb 2010   Posted in: Wirtschaftskrise  No Comments

Die Vielseitigkeit von Papiergeld

Es gibt ja das berühmte Zitat von Voltaire, dass Papiergeld früher oder später zu seinem realen Wert “Null” zurückkehren wird. Mag wohl sein, dass uns dieses Ereignis noch ereilen wird, aber in der Zwischenzeit lassen sich doch noch ein paar sinnvolle Aufgaben für das knisternde Tauschmittel finden. Die Herren und Damen in den USA haben schon mal damit angefangen…

(Video lässt sich leider nicht eingebettet starten, also hier klicken)

… und sag´ nochmal einer, dass die Typen vom FED uncoole Weltherrschaftspsychopathen seien; die haben doch Humor, wenn die sowas zulassen… ;-)

Mein Lieblingssatz des Filmbeitrags befindet sich übrigens zwischen 1:29 und 1:34.

(via)

3. Feb 2010   Posted in: Geldsystem, USA  No Comments

Spritztour mit dem Panzer

Von österreichischem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen, dafür aber Spritztouren.

Mehr Infos bei der SZ.

28. Jan 2010   Posted in: Krieg  One Comment