Vogelfütterung – Pro und Contra

Ein bei Vogelbeobachtern und Naturschutzverbänden immer wiederkehrender Diskussionsdauerbrenner ist die Vogelfütterung, speziell die Ganzjahresfütterung. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 20.01.2013 ist ein doppelseitiger Beitrag erschienen, der leider nicht online verfügbar ist, so dass ich dessen Hauptargumente hier zusammenfassen möchte.

Zwei Autoren haben in Form eines Pro- und eines Contra-Artikels zum Thema Stellung genommen. Cord Riechelmann stützt sich hauptsächlich auf das Buch von Peter Berthold und plädiert in seinem Artikel „Und das nicht nur zur Winterzeit“ für die Ganzjahresfütterung. Jörg Albrecht übernimmt den Contrapart und sagt „Schluss mit der Vogelmast“. Hier sind die wichtigsten Standpunkte:

Pro

– Jahrzehntelange Erfahrungen aus Nordamerika und Großbritannien zeigen, dass durch die dort verbreitete Ganzjahresfütterung keine der nachteiligen Effekte auftreten, die von der Gegenseite vorgebracht werden.

– Während der Brutzeit verwenden die Elternvögel nicht – wie oft behauptet – das für die Jungen schädliche Körnerfutter aus dem Futterhaus sondern suchen für den Nachwuchs weiterhin Insekten (durch Studien belegt). Die Bereitstellung des Körnerfutters wird von den Altvögeln für die eigene Ernährung verwendet und gibt ihnen mehr Zeit für die Suche nach Insekten für die Jungen. Die Fehlernährung der Jungen mit Körnerfutter tritt nur auf, wenn es keine Insekten gibt.

– Die Zahl der Insekten ist zurückgegangen, so dass die Altvögel auf die Zufütterung angewiesen sind.

– Das Argument, der Mensch solle nicht in die Natur eingreifen, ist nicht gültig, da der Mensch ja auch stark zum Nachteil der Vogelwelt in die Natur eingreift (z.B. Intensivierung der Landwirtschaft). Somit ist ein Eingreifen des Menschen zugunsten der Vögel nur logisch und nötig.

Contra

– Die letzte Vogelzählung („Stunde der Wintervögel 2013„) ergab, dass sich mittlerweile in jedem Garten 7 Kohlmeisen „drängeln“, ein Effekt der Zufütterung.

– Die Kohlmeise ist eigentlich ein Teilzieher, überwintert jedoch immer nördlicher, aufgrund der Zufütterung.

– Die Zufütterung in Großbritannien zieht einen Teil der eigentlich in Südeuropa überwinternden Mönchsgrasmücken an. Diese „Großbritannien-Mönchsgrasmücken“ entwickeln sich von den anderen Mönchsgrasmücken weg (andere Schnabelform und rundere, für einen längeren Zug ungeeignete Flügel), so dass die Zufütterung wohl zu einer Artenspaltung führt.

– Hygieneprobleme an Futterstellen (z.B. 2009 Trichomonaden bei Grünfinken; 2010 Salmonellose bei Erlenzeisigen; Usutu-Virus bei Amseln). Die letztgenannte Epidemie sei wohl auf eine zu hohe Amseldichte zurückzuführen.

– Der kleinste Vogel Europas, das Wintergoldhähnchen, kein Futterhausgast, schafft es auch im Winter ohne die Zufütterung zu überleben.

– Zufütterung zieht andere Tiere an und steigert die lästige Taubenpopulation in Städten.

– Viel Vogelfutter ist mit dem Samen des nordamerikanische Beifußblättrigen Traubenkrauts (Ambrosia artemisiifolia) versetzt, das sich immer mehr verbreitet und als starkes Allergen wirkt.

Lediglich zum letzten Punkt möchte ich anmerken, dass man als Vogelfütterer das Ambrosia-Problem umgehen kann, indem man auf Qualitätsvogelfutter zurückgreift, das als ambrosiafrei markiert ist. Den Rest der Argumente lasse ich einfach so stehen. Es solle sich jeder selbst eine Meinung zum Thema bilden. Hierzu helfen sicher die Lektüre des Buchs von Herrn Berthold und die einschlägigen Empfehlungen des NABU und des LBV.

Januar 23, 2013 · Totontli · No Comments
Tags: , ,  · Posted in: Sonstiges (Vögel), Vogelbücher & Vogelmedien

Foto des Tages IV: Münchner Mönchsgrasmücken

Damit hier nicht nur Greifvögel und große Wasservögel ferner Länder zum Zuge kommen, gibt’s heute zur Abwechslung mal einen kleinen einheimischen Singvogel. Es ist mein Lieblingsfrühlingsbote, denn wenn sein melodischer, flötender Gesang aus den Büschen dringt, weiß man: jetzt kommen die wärmeren Tage. Es handelt sich um die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), die ich dieses Jahr am 29. März zum ersten mal im Garten singen hörte. Der Vogel sieht ziemlich unspektakulär aus, recht grau; der einzige Blickfang ist die schwarze Kappe beim Männchen und die braune Kappe beim Weibchen. Da sich nicht so vogelbeobachtungsaffine Zeitgenossen immer wieder mal über den seltsamen Namen „Grasmücke“ wundern, sei das hier auch noch erklärt. Das Ganze hat nichts mit einer Mücke zu tun, die im Gras lebt. Das wäre ja auch ziemlicher Quatsch, einen Vogel so einzuordnen und zu benennen. Man setze die geistige Worttrennung besser so an: Gra-Smücke. Das kommt wohl aus einer bereits abgelaufenen Version des deutschen und hieß einmal „gra smuka“, was soviel bedeutet wie „Grauer Schlüpfer“. Wobei mit dem Schlüpfer natürlich nicht die Unterwäsche, sondern eher die Art des sich Bewegens gemeint ist. Denn die grauen Grasmücken schlüpfen gerne durch dichtzweigige Büsche und Hecken. Die folgenden Fotos eines singenden Mönchsgrasmückenmännchens und eines umherschlüpfenden Mönchsgrasmückenweibchens sind schon über ein Jahr alt und entstanden im Friedhof am Perlacher Forst.

Mönchsgrasmücke


Blackcap / Mönchsgrasmücke / Curruca capirotada / Fauvette à tête noire (♂) · Sylvia atricapilla

06. April 2011 · Friedhof am Perlacher Forst / München / Bayern / Deutschland

Nikon D90 + Nikkor 70-300 mm · 300 mm · F/5,6 · 1/1600 sec · ISO 400

Mönchsgrasmücke


Blackcap / Mönchsgrasmücke / Curruca capirotada / Fauvette à tête noire (♀) · Sylvia atricapilla

06. April 2011 · Friedhof am Perlacher Forst / München / Bayern / Deutschland

Nikon D90 + Nikkor 70-300 mm · 300 mm · F/5,6 · 1/160 sec · ISO 400

April 24, 2012 · Totontli · No Comments
Tags:  · Posted in: Arten-Europa, Fotos, Mönchsgrasmücke