Erst kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu

Die Geschichte des frustrierten, brutwilligen Feldsperlingspaars will noch zu Ende erzählt werden. Letzte Woche an einem jener Morgen, an dem das Pärchen sich wieder am Nistkasten einfand und ihre Bruthoffnung zum x-ten mal aufkeimen ließ, kam noch ganz anderer Besuch. Als ob der trommelwütige Buntspecht die beiden noch nicht genug genervt hätte, musste auch noch ein hungriges Sperberweibchen im Garten einfliegen und sich aus der Schar der ebenfalls präsenten Grünfinken, Kohl- und Blaumeisen ausgerechnet einen der beiden Feldsperlinge greifen. Das Ganze ging nach guter Sperbermanier rasend schnell, schon zuckte der Sperling in den Fängen des Greifvogels dahin, wurde gerupft (siehe Foto) und gleich noch im Garten verfrühstückt.

Bemerkenswert war dabei der Warnlärm aller Singvögel, die in der Nähe waren. Während der knapp 10 Minuten in denen Frau Sperber den Sperling am Boden fraß, bildete sich die Alarmglocke, wie sie so passend im Buch von Ralph Müller beschrieben wird. Besonders hervor getan haben sich beim Warnschauspiel die Blaumeisen. Während Amseln und Kohlmeisen in größerer Entfernung vom Sperber ihre Laute abgaben, hatten die Blaumeisen null Schiss vor dem Greif, setzten sich etwa einen Meter von ihm in den Busch und schimpften volles Rohr auf ihn ein. Das ist schon witzig, dass die Kleinsten die Mutigsten sind.

Tja, das ist das für die Feldsperlinge etwas traurige Ende vom Lied, wobei ich eben heute morgen wieder zwei Feldsperlinge am Nistkasten sah, so dass die Hoffnung auf eine Brut noch nicht komplett erloschen ist. Immerhin ziehen die Feldsperling zwei oder drei Jahrenbruten durch. Der trommelwütige Buntspecht tauchte in den letzten Tagen auch seltener auf als zuvor; vielleicht ist sein Reviermarkierungsbedarf langsam gedeckt oder ihn stresst langsam der eigene Nachwuchs.

Mai 25, 2013 · Totontli · One Comment
Tags: , ,  · Posted in: Arten-Europa, Sperber, Vögel in und um München

Mai-Randale im Garten

Letztes Jahr im Oktober hatte ich spekuliert, ob die an jenem warmen Herbsttag so nistkastenbegeisterten Feldsperlinge im Frühjahr dann auch dort brüten werden. Passend zu diesen Überlegungen trug sich dieses Jahr seit Mitte April ein unterhaltsames Täglich-grüßt-das-Murmeltier-Happening im Garten zu. Dies lief folgendermaßen ab: Ein brutwilliges Feldsperlingspaar flattert motiviert um den Nistkasten herum, setzt sich auf dessen Dach, abwechselnd wird in den Nistkasten geschaut, immer wieder mal reingekrochen, GV im Baum, Nistmaterial wird eingebracht, …aber dann kommt die Brut- und Nistbremse: in Gestalt eines reviergeilen Buntspechtmännchens. Dieser fliegt das Nistkasteneinflugloch zielstrebig an, klammert sich daran fest, verscheucht so das Feldsperlingspaar und dann gibt es mindestens fünf Minuten Trommelwirbel voll auf die Zwölf des Nistkastens. Klar, wenn ich Buntspecht wäre, würde ich das auch genießen. Nichts geht über einen ordentlich hohlen Resonanzkörper: der Garant für das erfolgreiche Trommelerlebnis. Die Feldsperlinge haben noch ab und an versucht, den Kampf mit dem Buntspecht aufzunehmen, sind ihn kurz angeflogen, aber der Specht braucht nur einmal den langen Schnabel zu schwenken und schon kuschen sie. Der Größenvorteil ist einfach nicht wegzudiskutieren. Ich bin beeindruckt, wie lange es die Feldsperlinge an dem Kasten versucht haben, ihre Brut einzurichten. Wochenlang umlagerten sie den Nistkasten, um immer wieder vom Specht gestört zu werden. Das ist ja ungefähr so als zöge man als Mensch in eine Wohnung, von der man weiß, dass in einem seiner Zimmer die nächsten Monate Arbeiten mit dem Presslufthammer durchgeführt werden. Ist der Nistplatzmarkt für Feldsperlinge im Kreis München echt so ausgetrocknet?

Das beschriebene Schauspiel lief so bis Mitte letzter Woche als sich noch etwas anderes im Garten ereignete, dass die Bruthoffnung der Sperlinge nachhaltig minderte, aber dazu in einem anderen Post später mehr. Der perkussionsorientierte Buntspecht kommt übrigens auch schon mal früh um sechs an den Kasten zum Trommeln. Einen besseren Wecker gibt’s nicht.

Mai 22, 2013 · Totontli · 2 Comments
Tags: ,  · Posted in: Arten-Europa, Feldsperling, Vögel in und um München

Wendehals und Buntspechtkampf auf dem Friedhof am Perlacher Forst

Der freie und wettermäßig sehr gelungene Nachmittag des 6. April 2011 erlaubte mir eine mehrstündige Exkursion auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München. Und wieder einmal bestätigte sich eine meiner Grundregeln des Vogelbeobachtens: Man wird auf jeder Vogelbeobachtungstour von der Natur stets von etwas überrascht. Einmal ist es eine neue Art, die man noch nie gesehen hat; das andere mal bekommt man ein außergewöhnliches Verhalten zu sehen; wieder ein anderes mal sieht man einen Vogel sehr nah usw. An jenem Nachmittag wurde ich auf dem Friedhof gleich doppelt beeindruckt. Ich konnte zum ersten mal überhaupt einen der Vogelwelt zugehörigen Wendehals sehen (siehe Foto). Menschliche dagegen hatte ich ja schon zuhauf kennengelernt. Zunächst glaubte ich eine Heckenbraunelle zu sehen, die grob von der Farbgebung, beim flüchtigen Hinsehen dem Wendehals ähneln mag. Dann aber war recht schnell klar: das muss ein Wendehals sein. Der Wendehals (Jynx torquilla) ist ein außergewöhnlicher Vogel. Er zählt zwar zu den europäischen Spechten, ist aber im Vergleich zu den anderen Spechtarten wesentlich unscheinbarer bräunlich gefärbt und außerdem ist er der einzige Langstreckenzieher unter den heimischen Spechten; er überwintert südlich der Sahara. Der Wendehals sitzt im Vergleich zum Buntspecht auch „ganz normal“ auf Ästen (siehe Foto), wohingegen der Buntspecht eigentlich nur an Stämmen und Ästen entlangklettert. Dann wäre da noch das spezielle Verhalten des Wendehalses, das ihm auch den Namen gab. In Bedrohungssituationen führt der Wendehals ruckartige Kopfdrehungen aus und stellt dabei auch noch seine Kopffedern auf (Video dazu).

Dann zur zweiten Überraschung: Wie auch bei einem meiner letzten Besuche auf dem Friedhof, wo der Kampf Buntspecht vs. Grünspecht anstand, konnte ich dieses mal aus nächster Nähe zwei Buntspechtmännchen beim Kampf zusehen. Das ganze ging einher mit lautem Gezeter und Geflatter (siehe Foto). Der Besuch des Friedhofs lohnt sich für Spechtfans also überaus. Des weiteren sah ich noch: Blaumeise, Kohlmeise, Amsel, Buchfink, Grünfink, Kleiber; dann viele schön flötende Mönchsgrasmücken, Zilpzalp, Stieglitz, Stare, einen Kernbeißer, Schwanzmeisen, Rotkehlchen, Ringeltauben, die Saatkrähenbrutkolonie, einige Rabenkrähen, Elstern, eine Singdrossel, meine erste Rauchschwalbe dieses Jahr und etliche Wacholderdrosseln, die den oben genannten Wendehals heftig attackierten.

April 9, 2011 · Totontli · No Comments
Tags: ,  · Posted in: Arten-Europa, Beobachtungsgebiete, Buntspecht, Fotos, Vögel in und um München, Wendehals

Buntspecht spielt im Schnee

Heute gab es noch einmal schöne und noch längere Beobachtungen des Buntspechtweibchens, das sich munter am vereisten Schnee auf meinem Balkon zu schaffen macht. Die Intensität des Schnabeleinsatzes hat in den letzten Tagen deutlich zugenommen.

Januar 29, 2011 · Totontli · No Comments
Tags:  · Posted in: Arten-Europa, Filme über Vögel

Buntspecht räumt Schnee

Immer wieder hat es mich amüsiert, wie ein Buntspechtweibchen auf der beschneiten Brüstung meines Balkons landet und sich dann erst einmal per Schnabelpflug einen Weg bahnt. Heute ist es mir endlich gelungen, das Schauspiel filmisch festzuhalten. Nach der Räumaktion geht’s natürlich zum Futterhaus, Fettkuchen mampfen.

Januar 27, 2011 · Totontli · No Comments
Tags:  · Posted in: Arten-Europa, Filme über Vögel

Vogelbeobachtung in München: Friedhof am Perlacher Forst

Ich möchte hiermit auf ein lohnendes Vogelbeobachtungsgebiet in München hinweisen: Den Friedhof am Perlacher Forst (Google Maps). Der Friedhof lässt sich per öffentlichen Verkehrmitteln bequem über die Endstation der Tramlinie 27 erreichen.

Allgemein sind ja Friedhöfe in Großstädten nicht nur die Stätten für die Toten sondern auch beliebte Zufluchtsorte der (lebenden) Vogelwelt. Aus Zeitmangel habe ich heute diesen meiner Wohnung nah gelegenen Ort zur Beobachtung aufgesucht, anstatt wie üblich (zeitaufwändiger) an die Isar zu gehen, wo es gestern den Eisvogel zu sehen gab. Der Besuch auf dem Friedhof am Perlacher Forst hat sich gelohnt. Innerhalb von knapp 2 Stunden zeigten sich die üblich zu erwartenden: Kohlmeise, Blaumeise, Amsel, Kleiber, Grünfink, Buchfink; weiterhin viele Saat- und Rabenkrähen. Dann gab’s noch das Wintergoldhähnchen, zwei Misteldrosseln, einen vergnügt zwitschernden Stieglitz, einen Eichelhäher, eine Schwanzmeise, drei Kernbeißer und drei Buntspechte. Irgendwo in der Baumkrone rief noch ein Trompetergimpel. Dann habe ich meine ersten zwei Bergfinken in München gesehen. Das Highlight kam gegen Ende der Tour: Ein auf dem Ast sitzender Grünspecht (Männchen) wurde von einem am selben Baum kletternden Buntspecht (Männchen) angegriffen und vehement vertrieben (siehe Foto). Zum Glück hatte ich die Kamera dabei!

Grünspecht - Buntspecht


L: Great Spotted Woodpecker / Buntspecht / Pico picapinos / Pic épeiche · Dendrocopos major

R: (European) Green Woodpecker / Grünspecht / Pito real / Pic vert · Picus viridis

18. Januar 2011 · Friedhof am Perlacher Forst / München / Bayern / Deutschland

Nikon D90 + Nikkor 70-300 mm · 300 mm · F/5,6 · 1/250 sec · ISO 640

Januar 18, 2011 · Totontli · No Comments
Tags: ,  · Posted in: Beobachtungsgebiete, Buntspecht, Fotos, Grünspecht, Vögel in und um München

Buntspechtfütterung

Angeregt durch das sehr erfolgreiche Buch „Vögel füttern – aber richtig“ von Gabriele Mohr und Peter Berthold, ehemaliger Direktor der Vogelwarte Radolfzell (Max-Planck-Institut für Ornithologie), hatte ich mich dazu entschlossen, dieses Jahr auch eine Ganzjahresfütterung zu testen. Ich will hier nicht in die teils kontrovers geführte Diskussion über Vor- und Nachteile der Ganzjahresfütterung einsteigen sondern lediglich aus Sicht des Vogelliebhabers berichten. Ich startete die Fütterung im Januar mit Ausrüstung des LBV-Shops (Futtersäulen, Qualitätsfutter, Energieblöcke, Fettkuchen). Mittlerweile konnte ich acht Arten an meiner Futterstelle (4.Stock, Südbalkon, München-Giesing) beobachten. Regelmäßige Gäste sind Grünfink, Kohlmeise, Blaumeise, Amsel, Türkentaube und Buntspecht. Dazu gab es eine einmalige Beobachtungen eines Eichelhähers und kurze Neugierbesuche ohne Nahrungsaufnahme einer Rabenkrähe. Bemerkenswert war auch der mehrmalige Besuch eines Eichhörnchens, das wie ein Gecko die Hauswand hinauf- und hinunterlief.

Eine Besonderheit, die die Fütterung im Frühjahr und Sommer ermöglicht, ist die Beobachtung der Jungvögel, die alsbald nach dem Verlassen der Nester von den Eltern an die Futterstelle gebracht werden. Dies konnte ich vor allem bei den Kohlmeisen beobachten, die etwa eine Woche die Jungvögel noch in der Nähe der Futterstelle füttern, bevor die Jungen schließlich erlernen, wie man sich selbst das Futter holt. Ein Höhepunkt der vergangenen Woche war der Besuch einer Buntspechtmutter mit ihrem Nachwuchsbuntspecht. Die Buntspechte fahren absolut auf Energiekuchen ab, mit denen sie auch die Jungspechte füttern. Heute sind mir einige Fotos dieses Geschehens gelungen. Man beachte die für junge Buntspechte charakteristische rote Kappe! Viel Spaß mit den Fotos:

Junger Buntspecht wartet auf Fütterung

Junger Buntspecht wartet auf Fütterung

Mama holt Futter, Jungspecht schaut neugierig

Mama holt Futter, Jungspecht schaut neugierig

Mutter Buntspecht bringt Futter

Mama Buntspecht bringt Futter

Buntspechtfütterung

Buntspechtfütterung (Jungspecht links)

Buntspechtfütterung 2

...und mehr Futter für den Nachwuchs (Jungspecht rechts)



Juni 20, 2010 · Totontli · 6 Comments
Tags:  · Posted in: Arten-Europa, Buntspecht, Fotos, Vogelbücher & Vogelmedien