Zugvogelboost in der Gartenliste

Die herbstliche Zeit des Vogelzuges hat mir noch zwei neue Arten in den Garten gespült und meine Gartenliste auf 52 ansteigen lassen. Zur Apfelernte am 3. Oktober machte ein Tannenhäher kurz halt in Nachbars Zwetschgenbaum. Fast hätte ich ihn im Gegenlicht als Eichelhäher abgetan, da diese Anfang Oktober mit Eichel im Schnabel im Fünfminutentakt das Haus überflogen. Schließlich gab es Ende Oktober noch kurz ein umherturnendes Sommergoldhähnchen im Apfelbaum zu bewundern.
Mögen Spätherbst und Winter weitere Überraschungen bringen! Vielleicht noch einen Tannenhäher, diesmal in der Killer-Edition…?

November 5, 2013 · Totontli · No Comments
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Nebelkrähe beim Rodeln

Immer wieder bemerkenswert, diese Rabenvögel. Hier kann man eine Nebelkrähe beim Wintersport bewundern:

Danke für den Link, Roland!

Januar 13, 2012 · Totontli · One Comment
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Krähen lassen Nüsse durch fahrende Autos knacken

Ich hatte ja bei der Vorstellung des Buches „Rabenschwarze Intelligenz“ von Josef H. Reichholf darauf hingewiesen, dass es in Japan Krähen gibt, die sich Nüsse von fahrenden Autos knacken lassen. Um dabei nicht unter die Räder zu kommen, befolgen sie brav die Ampelphasen. Hierzu habe ich jetzt ein Video aufgegabelt, welches dieses Intelligenzwunder der japanischen Krähen in zwei Minuten portraitiert. Wenn mich nicht alles täuscht, kommentiert David Attenborough.

Verwandter Artikel: Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz

Mai 29, 2009 · Totontli · No Comments
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Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz

Ein Buch über die Schläue der Rabenvögel also, geschrieben vom Leiter der Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung in München. Titel und Untertitel („Was wir von Krähen lernen können“) deuten den Inhalt an, jedoch geht das Buch ein ganzes Stück über das Thema der Intelligenz der Rabenvögel hinaus. Vielmehr liefert das Buch neben dem Titelthema auch eine Bestandsaufnahme zum Zustand der Rabenvögel in Natur und unserer Gesellschaft.

Das Buch teilt sich grob in fünf Teile: 1) Einleitung, 2) eigene „Naherfahrungen“ des Autors mit Rabenvögeln, 3) wissenschaftliche Informationen und Studien zu Rabenvögeln, 4) Beispiele zur Rabenintelligenz und 5) Rabenmythen.

Hinter die Einleitung und die Heranführung an das Thema setzt Reichholf gleich ein unterhaltsames Kapitel. Er berichtet von seinen Erlebnissen und Erfahrungen mit Dohle Flori, Rabenkrähe Tommy und Kolkrabe Mao, die der Autor alle als handaufgezogene, an den Menschen gewöhnte Individuen kennenlernen und studieren konnte. Leider endeten die Leben einiger dieser Vögel mehr oder weniger tragisch. Es schließt sich ein umfangreiches Kapitel an, das das Leben der Raben-, der Saatkrähe und des Kolkraben in freier Wildbahn und seine Herausforderungen schildert und charakterisiert. Neben Krähen und Kolkraben werden dabei auch die anderen Mitglieder der Rabenvogelfamilie portraitiert: Eichelhäher, Elster, Dohle und Tannenhäher. Dabei geht der Autor immer wieder darauf ein, wie der Mensch auch heute noch durch massenhaften Abschuss von Krähen in deren Leben eingreift.

Einen größeren Teil des Buches nimmt die sehr spezielle Beziehung zwischen Krähen und Nüssen ein. Nicht nur liefern Nüsse vor allem im Winter wertvolle Energie für die Krähen, die Nüsse stellen auch – und hier wären wir bei der Intelligenz – eine Herausforderung bezüglich des Knackens dar. Dies beginnt beim einfachen Fallenlassen der Nüsse von Dächern und endet mit feinabgestimmtem Platzieren der Nüsse während Ampelrotphasen auf der Straßenkreuzung zur Knackung der Nüsse durch Autos. Wohlgemerkt: Bewerkstelligt durch Krähen! Bemerkenswert ist auch das Vergraben der Nüsse durch Krähen und das zielgenaue Wiederfinden derselben nach Monaten sogar durch die geschlossene Schneedecke hindurch.

Ein weiteres Highlight der Raben- oder besser Krähenintelligenz, das Reichholf präsentiert, ist die neukaledonische Krähe Betty, die mit einem gebogenen Draht Nahrung aus einem Glaszylinder angelt (der Spiegel berichtete auch darüber).

Das Buch schließt mit einem Kapitel über Rabenmythen, die das ganze Spektrum von positiven Mythen bis negativen Horrorstories abdecken. Teilweise wurden einst Rabenvögel als Gottheiten verehrt, allerdings änderte sich in unseren Breiten im Mittelalter ihr Ansehen zunehmend zu dem von Todesvögeln, da sie z.B. oft in Gegenwart von Leichen- oder Schlachtabfällen zu sehen waren.

Eine Botschaft von Reichholf, die er mehrmals anführt, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen: Der Autor beklagt, dass die Rabenvögel zwar heute unter einem gewissen gesetzlichen Schutz stehen und somit z.B. nicht mehr von Privatleuten gehalten werden dürfen, es aber dennoch zu hundertausenden Abschüssen von Krähen kommt. Er nennt dies „Papier(tiger)naturschutz“ und prangert an, dass durch das Haltungsverbot vielen Rabenvogelfreunden der Spaß an diesen hochinteressanten Tieren verwehrt wird.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, da es eine spezielle Mischung ist, die eine Pressestimme (siehe Webseite des Verlags Herbig) treffend so charakterisiert: „Ein Sachbuch, wie es sein soll: differenzierte Positionen, kluge Antworten und ein Schuss persönlicher Emotion.” Dieser Einschätzung schließe ich mich an. Besonders ansprechend fand ich die zahlreichen kleinen Detailinformationen, die man so sicher in wenigen vogelkundlichen Büchern findet. Ein Beispiel. Frage: „Warum sind Rabenvögel eigentlich schwarz?“ Hierzu die Information: Der momentane Kenntnisstand geht davon aus, dass zwischen schwarzem Gefieder und schlechtem Geschmack des Vogels (also die Krähe selbst schmeckt schlecht, wenn man sie denn verzehrte) ein Zusammenhang besteht. Das schwarze Gefieder als Verzehrschutz quasi. In dieser Art gibt es über das Buch verstreut immer wieder kleine Informationen und Zusammenhänge, bei denen man sich denkt: „Ach, das ist ja interessant; das war mir vorher nicht klar.“ Und unter dem Schutzumschlag trägt das Buch übrigens die Farbe…na? Richtig.

Ich möchte noch eine persönliche, sehr eindrucksvolle Begegnung mit einem Raben anfügen. Sie fand in Vancouver, Kanada im Anthropolgiemuseum statt. Dort steht ein gigantisches Kunstwerk von Bill Reid, der den Schöpfungsmythos des Nordwestpazifikküstenindianerstamms der Haida als Skulptur verarbeitet hat. Dargestellt ist der Moment als der Rabe als weiser, mächtiger, aber auch schelmischer Schwindler die ersten Menschen des Stammes der Haida aus der an Land gespülten Auster ins Freie lockt (die Geschichte hier auf deutsch lesen). Wer jemals die Chance hat, sich dieses Kunstwerk in Vancouver anzusehen, sollte das tun.

Also auch die Haida verstanden, dass Raben über Intelligenz verfügen; sie sprachen dem Tier darüber hinaus Weisheit, Macht und die Gewitztheit kleiner Schwindeleien zu. Weitere Mythen der Haida kann man auf englisch in diesem kleinen Büchlein lesen. Der Rabe kommt in ihnen nicht zu kurz.

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Mai 3, 2009 · Totontli · No Comments
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