Capture Camera Clip System von Peak Design

Allen Fotografen, die viel mit ihrer Spiegelreflexkamera unterwegs sind, möchte ich wärmstens das Capture Camera Clip System von Peak Design ans Herz legen. Speziell für Vogelbeobachter, die neben dem Fernglas auch noch eine Kamera mit großem Objektiv herumtragen, ist dieses Produkt bestens geeignet. Und nach zwei Wochen intensivem Test auf Vogelbeobachtungstour in Mexiko kann ich mit bestem Gewissen sagen: Das Ding taugt was. Am besten man schaut sich erst einmal folgendes Video des Herstellers an, um sich einen Eindruck zu verschaffen (auf youtube gibt es auch ein paar Käuferrezensionen).

Der Kameraclip ist genial einfach und es verwundert, dass es so etwas nicht schon lange vorher gab. Eine Grundplatte wird einfach in das Stativgewinde der Kamera geschraubt. Der Clip wird irgendwo am Gürtel oder am Rucksack angebracht und schon kann man die Kamera dort einklipsen. Dabei kann man den Clip so ausrichten, dass die Kamera in jeglicher Richtung eingeklipst werden kann. Bemerkenswert ist die hochwertige Verarbeitung. Die Verschraubungen und der Clip funktionieren auch nach viel Schrauberei und Klipserei noch einwandfrei. Bei mir sah die Benutzung so aus, dass ich stets einen Rucksack trug und – wie im Video gezeigt – den Kameraclip am Rucksackträger angebracht hatte. Dabei hatte ich noch genug Platz in der Brustgegend, um selbst ein größeres Fernglas zu tragen. Hierzu empfehle ich einen Fernglas-Kreuzgurt. Der einzige Nachteil des Clips ist der relativ hohe Preis von 80 US-Dollar plus Versand über den Atlantik. Aber ich muss sagen: Der Clip ist jeden dieser Dollars wert. Stabilität, Funktionalität und Flexibilität dieses Produkts überzeugen absolut. Und auf lange Sicht spart man sich Schmerzen, Zeit und Geld für die Therapierung einer kaputten Halswirbelsäule.

Noch ein interessanter Fakt zum Kameraclip von Peak Design: Das Produkt wurde über das Portal Kickstarter vorfinanziert bevor es in Serie ging und hat dort das Finanzierungsziel von 10000$ um das 36-fache übertroffen. Wer etwas Geld sparen will, der kann bis zum Black Friday warten und hoffen, denn letztes Jahr gab es den Clip an jenem Tag fast zum halben Preis (Dank an Alex W., der mich auf dieses tolle Produkt gebracht hat!).

März 8, 2012 · Totontli · No Comments
Posted in: Ausrüstung & Optik

Mein Fernglas zur Vogelbeobachtung: Canon 12×36 IS II (Image Stabilizer)

Zur Grundausstattung eines jeden Vogelbeobachters gehört zumindest ein Fernglas. Da ich mich schon viel zu lange mit dem aus meiner Kindheit stammenden, trübglasigen Revue 10×40 Modell (Quellekatalog!) zufrieden gestellt hatte, musste ein neues her. Nach Studium der üblichen Quellen Internet und Fachzeitschriften war mir die Wahl aber mehr als unklar. Sollte man ein Topmodell von Leica oder Swarovski wählen? Oder eher etwas aus der Mittelklasse wie zum Beispiel ein Modell von Steiner?

Das erste Aha-Erlebnis brachte der Besuch einer Vogelbeobachtungsmesse, wo viele Fernoptikhersteller ihre Ferngläser zum Testen bereitstellten. Das Aha-Erlebnis bestand darin, dass ich zum ersten mal im Leben durch wirklich gute Ferngläser von Leica, Zeiss und Swarovski blickte. Welch brillante Farben, welch klare Bilder waren da zu sehen! Und welch stolze Preise wären da zu berappen! Eher zufällig entdeckte ich den Stand von Canon, die ich bisher nur mit Fotografie und nicht mit Ferngläsern in Verbindung gebracht hatte. Aber Canon hat welche und verbaut in sie eine Bildstabilisierung, die wohl der Fotoobjektivtechnik entnommen wurde. Die batteriegetriebene Bildstabilisierung (Image Stabilizer) bewerkstelligt per Knopfdruck einen Ausgleich des natürlichen Zitterns der Hände und sorgt für ein ruhigeres Bild. Jeder Fernglasbenutzer weiß, dass dieses Zittern ab einer Vergrößerung von 10x schon leicht unangenehm auffällt und bei 12x und 15x absolut störend wird. Zunächst dachte ich: Naja das klingt sicher toll, aber ob man das so sehr merken wird. Und schon trat der noch größere Aha-Effekt ein: Nach dem Fernglastest war ich sehr erstaunt. Schaltet man die Bildstabilisierung ein, wird nach ca. einer Sekunde aus einem zittrigen Bild ein angenehm ruhig gleitendes Bild. Plötzlich merkt man, wie viele Details man durch die Zitterei gar nicht wahrnimmt.

Ich habe mich dann eine Woche später für das Modell Canon 12×36 IS II entschieden, da ich eine 12-fache Vergrößerung im Zusammenhang mit Bildstabilisierung für die Vogelbeobachtung am nützlichsten finde. Canon hat zwar auch noch 15-fach- und 18-fach-Modelle im Angebot aber da befindet man sich aus meiner Sicht schon fast im unteren Vergrößerungsbereich von Spektiven, den ich für ein Vogelbeobachtungsfernglas für übertrieben halte, besonders wenn man sowieso ein Spektiv mitführt. Dann wäre da noch das Modell Canon 10 x 42L IS WP, das sich vom Canon 12×36 IS II durch seine Wasserfestigkeit und durch die 1cm größeren Frontlinsen-Durchmesser auszeichnet. Zwei reizvolle Vorteile, jedoch legt man für das Canon 10 x 42L IS WP auch etwa den doppelten Preis im Vergleich zum Canon 12×36 IS II hin und hat „nur“ 10-fache Vergrößerung. Das Canon 12×36 IS II kostet momentan ca. 699 EUR.

Bei der Vogelbeobachtung habe ich festgestellt, dass man durch das zitterfreie Bild viel mehr wahrnimmt. Plötzlich beginnt man im Bildausschnitt mit den Augen auf einzelne Partien des beobachteten Vogels zu springen wie eine bestimmte Federpartie, den Schnabel, dessen Spitze etc. Die Beobachtung gewinnt an Tiefe, wenn man das so ausdrücken kann. Fein sind auch Schwenks mit dem bildstabilisierten Fernglas bei der Beobachtung von fliegenden Vögeln; als Beobachter kann man da flüssig mitgleiten.

Ich werde hier nichts zur optischen Qualität sagen, da ich mich dazu nicht als fachkundig genug ansehe; ich bin auf jeden Fall mit der Bildqualität sehr zufrieden. Auch werde ich hier nicht sämtliche technischen Details des Fernglases auflisten, möchte aber noch auf ein paar Vor- und Nachteile eingehen, die mir inzwischen aufgefallen sind.

Nachteile:
– Keine Deckel für die Frontlinsen im Lieferumfang
– Laut Fachhändler sind die feinen Motoren der Bildstabilisierung natürlich nicht vollkommen unempfindlich, d.h. harte Stöße auf das Fernglas könnten eine teure Reparaturrechung zur Folge haben (Fachhändler: „mehrere hundert EUR“)
– Die Einstellung des Augenabstands ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, da das Fernglas keine Knickbrücke hat
– Die umstülpbaren Gummiaugenmuscheln sind nicht gerade einfach umzustülpen; wer häufig umstülpen muss, könnte davon genervt sein
– Bei umgestülpten Gummiaugenmuscheln (Brillenträgervariante) ist die Dioptrienskala nicht mehr ablesbar (Gummimuschel leicht anheben hilft) und es passen die Okulardeckel nicht mehr, man kann sie dann lediglich drauflegen

Vorteile:
– Die Bildstabilisierung (man kann es nicht oft genug betonen!)
– Als Batterien werden keine superteuren Spezialzellen benötigt, sondern es reichen 2 Stück AA-Mignonzellen
– Der Bildstabilisierungsknopf ist mittig angebracht und somit für Links- und Rechtshänder gut zu erreichen
– Das Fernglas ist relativ leicht und handlich für ein 12x Modell mit Bildstabilisierung

Fazit: Die eher kleinen Nachteile können das große Plus der Bildstabilisierung nicht mindern. Seit ich dieses Fernglas mein eigen nenne, hat die Freude an der Vogelbeobachtung für mich einen großen Sprung gemacht. Mit der Bildstabilisierung nimmt man einfach viel mehr Details wahr und entdeckt Dinge, die einem vorher entgangen wären.

Zum Abschluss eine Kostprobe zur Bildstabilisierung: Es handelt sich zwar nicht um das hier beschriebende Modell sondern um ein Fujinon Techno-Stabi 14×40, aber das folgende Video gibt einen Eindruck, welch erfreulichen Effekt eine Bildstabilisierung an einem Fernglas hat. Plötzlich kann man einen weit entfernten Schriftzug lesen:

Hier noch der Link zu einem kleinen Filmchen, der zeigt, wie das Canon 12×36 IS II aussieht.

August 27, 2010 · Totontli · No Comments
Posted in: Ausrüstung & Optik