Der Beste der Besten der Besten

Zur Grundausstattung jedes Vogelbeobachters gehört ein gutes Bestimmungsbuch in dem die Arten seines Beobachtungsgebiets beschrieben sind. Solch ein Buch soll vom Format her möglichst transportierbar sein, so dass man es auch ins Feld mitnehmen kann (sog. Feldführer). Wer noch kein solches Buch besitzt oder mit seinem nicht zufrieden ist, der sollte unbedingt auf die im April 2011 erschienene überarbeitete Neuauflage des „Svensson“ einen Blick werfen, denn für viele Vogelbeobachter gilt der „Svensson“ als der beste Feldführer in deutscher Sprache.

Das herausragende am „Svensson“ (eigentlich besser in dem Zusammenhang „Mullarney/Zetterström“ genannt) sind meiner Meinung nach die Illustrationen der Arten. Es werden zur jeweiligen Art in höchster Qualität alle relevanten Kleider dargestellt; zudem sind die Vögel noch in typischen Posen bzw. typischen Umgebungen dargestellt: Rohrsänger im Schilf sitzend, der Kleiber kopfunter den Baumstamm entlangkletternd und der Eichelhäher einen Waldkauz beschimpfend.

Im Vergleich zur Vorauflage wurde etliche Arbeit in die Aktualisierung der Verbreitungskarten gesteckt. Hierbei wurden viele sinnvolle Änderungen vorgenommen; so wurde z.B. für Arten, die nur in Spanien vorkommen, nur noch eine Karte der iberischen Halbinsel dargestellt (z.B. spanischer Kaiseradler). In der Vorauflage von 1999 wurde an jenen Stellen noch eine komplette Europakarte abgebildet. Eine weitere Verbesserung ist die Aufführung der englischen Artnamen; ein englisches Register findet sich jedoch nicht im Buch. Auf jeden Fall wird das aber die Kommunikation in Beobachtungsgebieten mit internationalen Besuchern erleichtern, wenn man schnell auf den englischen Artnamen zugreifen kann.

Manche Leute mögen sich wundern, dass nach circa 10 Jahren schon wieder eine neue Auflage eines Vogelbestimmungsbuchs nötig ist. Ich hörte auch schon die Fragen: „Warum kaufst Du das? Du hast doch schon den „Svensson“; soviel ändert sich doch nicht bei den Vögeln.“ Hier sei auf das Vorwort der Autoren verwiesen. Um das Jahr 2000 hat sich durch molekulargenetische Erkenntnisse bei der Systematik der Vögel Europas viel getan. Unterarten wurden zu eigenständigen Arten und die traditionelle Abfolge der Arten in Bestimmungsbüchern hat sich geändert. Erst standen stets die Seetaucher ganz vorn, jetzt beginnt es mit Entenvögeln und Hühnervögeln. Auch hier sind genetische Erkenntnisse der letzten Jahre eingeflossen. Insgesamt sind im Vergleich zur 1999er Auflage 41 neue Arten hinzugekommen.

Manchem werden als negative Kritikpunkte vielleicht die kleine Schrift und die kleinen Verbreitungskarten in den Sinn kommen. Aber das ist einfach der Kompromiss aus Transportierbarkeit des Buchs und der großen Informationsmenge. Ich persönlich halte diese schwierig zu treffende Balance für sehr gelungen.

Bleibt noch die Frage mit welchem Buch man den „Svensson“ vergleichen kann. Mir scheint das schwer zu beantworten zu sein. Am ehesten fällt mir der „Jonsson“ (Die Vögel Europas) ein, jedoch konnte ich mich nie richtig mit dem Illustrationsstil dieses Buchs anfreunden (z.B. die Vögel, die den Leser anschauen). Die Abbildungen sind im „Jonsson“ schön groß, aber manchmal hat man dafür nur eine Abbildung pro Art (keine verschiedenen Kleider). Jedoch gelten die Verbreitungskarten des „Jonsson“ allgemein als sehr gut. Dann wäre da noch der Klassiker „Was fliegt den da?“, den ich für Neueinsteiger in die Vogelbeobachtung für ein sehr gutes Buch halte: Fokus auf weniger Arten, gute Illustrationen, knappe Beschreibungen. Da kann der „Svensson“ den ein oder anderen Neuling vielleicht ein bisschen mit Fülle der Informationen erschlagen.

Prinzipiell aber kann man mit der Anschaffung des neuen „Svensson“ gar nichts falsch machen. Man erhält einen hochwertigen Feldführer, der den aktuellen Kenntnisstand der Systematik und der Verbreitung der Arten darstellt.

Noch eine persönliche Anmerkung: Zur 1999er Auflage des „Svensson“ hatte der Kosmos-Verlag eine großformatige Version (32cm x 23cm ) des Buches aufgelegt, die ich glücklicherweise noch zu einem vernünftigen Preis über ein Antiquariat beziehen konnte (heute am 3.6.11 finde ich lächerlich teure Angebote um 1500 EUR für dieses Buch). Diese Großausgabe ist die perfekte Genießeredition zum Nachschlagen für zu Hause und zum schmökern. Es wäre schön, wenn der Kosmos-Verlag so etwas von der aktuellen Ausgabe auch wieder anbieten würde.

Der „Der Kosmos Vogelführer“ (Untertitel: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens) ist im Kosmos-Verlag erschienen und er kostet 29,95 Euro. Die Autoren sind Lars Svensson (Texte und Karten) und Killian Mullarney und Dan Zetterström (Illustrationen und Bildlegenden). ISBN: 978-3440123843.

Falls jemandem die Überschrift seltsam vorkommt: Klick.

Juni 3, 2011 · Totontli · One Comment
Posted in: Vogelbücher & Vogelmedien

One Response

  1. Sabrina - Juni 21, 2011

    Hab ich mir gleich mal zugelegt das gute Stück. Danke für den Beitrag zum „Svensson“, das hat mir die Wahl für einen Feldführer erleichtert. Es gbt einfach zu viel Auswahl.