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Vogelbeobachtung in Spanien (Extremadura und Andalusien)

Ende April/Anfang Mai diesen Jahres gab’s einen Urlaub in Spanien, genauer gesagt in Andalusien und Extremadura. Ich war vor dem Urlaub schon auf etliche Anzeigen des Typs „Birding Spain“ aufmerksam geworden und war so schon sehr auf den Besuch jener Regionen gespannt. Was dann aber letztlich an toller Naturbeobachtung in Spanien möglich war, übertraf meine Erwartungen.

Um einen Eindruck davon zu geben, wie viele Arten man in Spanien sehen kann, weise ich auf meine seit circa zwei Jahren geführte Europa-Artenliste hin. Diese stand vor dem Urlaub bei 125 und nach dem Spanienbesuch bei 184 Arten. Bereist habe ich mehrere Orte, von denen ich vor allem aus dem Buch „Where to Watch Birds in Southern and Western Spain: Andalucia, Extremadura and Gibraltar“ von Andrew Paterson erfahren hatte. Dieses Buch erwies sich als sehr wertvolle Hilfe für die ornithologische Reise in Süd- und Westspanien. Dort bekommt man Tipps über interessante Arten und die besten Beobachtungsgebiete. Einziger Nachteil sind die aus meiner Sicht unzureichenden Karten und Anreisebeschreibungen, denen es etwas an Detail mangelt, so dass man sich immer wieder verfährt. Wenn man nicht ein gutes Navigationsgerät oder z.B. Google Maps zur Hand hat, wird es schwer nur mit dem Buch die entsprechenden Orte zu finden.

Hervorheben möchte ich die folgenden Top-Beobachtungsgebiete (Karte):
1) Parque Nacional de Monfragüe
2) Embalse de Arrocampo bei Saucedilla
3) Parque Nacional de Doñana
4) Laguna de Medina und Salinas de Santa Maria

1) Parque Nacional de Monfragüe
Der Parque Nacional de Monfragüe liegt in Extremadura zwischen den Städten Cáceres, Plasencia und Trujillo. Das herausragende an diesem Park sind die steilen Felswände an denen sich Brutplätze vieler großer Greifvögel befinden. Man kann im Nationalpark Monfragüe Gänsegeier, Mönchsgeier, Schmutzgeier und verschiedene Adlerarten, darunter auch den seltenen spanischen Kaiseradler beobachten. Ebenso gibt es Schwarzstörche, Uhus und Rötelschwalben zu sehen. Im Park selbst trifft man viele vogelbeobachtungsbegeisterte Menschen aus aller Welt; Leute mit Spektiven und Teleobjektivkameras stehen quasi an jeder Ecke des Parks. Besonders empfehlenswert ist es, den knappen Aufstieg zum Castillo de Monfragüe auf sich zu nehmen und dort einige Zeit zu verbringen, denn immer wieder fliegen die großen Greifvögel nicht weit entfernt an einem vorbei, manchmal sogar unterhalb von einem. Es lässt sich schwer beschreiben, wenn ein Gänsegeier oder ein Mönchsgeier einige 10 Meter an einem vorbeigleitet. So etwas muss man einfach selbst sehen.

2) Embalse de Arrocampo bei Saucedilla
Ein kleineres, aber auch feines Beobachtungsgebiet liegt beim Örtchen Saucedilla an einem Stausee (Embalse de Arrocampo). Der Stausee dient der Kühlung eines Atomkraftwerks, womit die Wassertemperatur das ganz Jahr über etwas wärmer als normal ist. Damit hat sich dort eine besondere vielfältige Fauna und Flora eingestellt, auf die die Einwohner trotz des ungeliebten Atomkraftwerks besonders stolz sind. Am Stausee wurden in vorbildlicher Weise mehrere robuste Beobachtungshütten aufgestellt aus denen man selbst bei Regen sehr bequem den See überblicken kann. Es gibt auch ein kleines Informationszentrum, in dem man sich eine Karte und Informationen über das Gebiet besorgen kann. Bei den besonderen Arten kann man das drollige Purpurhuhn und den eleganten Purpurreiher hervorheben. Was einen als Deutscher natürlich noch stets begeistert, sind die überall herumschwirrenden, farbenprächtigen und gar nicht scheuen Bienenfresser (siehe Foto). Allgemein lässt sich zur Provinz Cáceres noch der grandiose Reichtum an Weißstörchen anführen. Es gibt Straßenabschnitte, wo man das Gefühl hat, dass sich auf jedem Mast und jedem Schornstein ein Storchennest befindet. Auch in der Provinzhauptstadt Cáceres ist ein ständiges Kreisen der Weißstörche über einem zu beobachten. Etwas weiter südlich der Provinz zählte ich einmal in einem Schwarm 60 Weißstörche.

3) Parque Nacional de Doñana
Dieser riesige Nationalpark an der andalusischen Küste im Mündungsgebiet des Flusses Guadalquivir ist geprägt von den sogenannten marismas; einem flachen, von kleinen Seen dominierten, überschwemmten Feuchtgebiet. Ich bin nicht in den Park gegangen, da ich aus dem o.g. Buch die Information hatte, dies sei nur per Führung möglich bei denen der Vogelbeobachtungsaspekt oft zu kurz käme. Somit habe ich mich mit den Randgebieten des Parks zufrieden gegeben, genauer gesagt mit der Region nördlich des Örtchens La Algaida und den Kanal westlich des Dorfs Pinzón. Dies war aber für den ersten Besuch der Region keine schlechte Wahl. Ich konnte viele Wasservogelarten beobachten, die ich noch nie in freier Natur gesehen hatte: Rosaflamingos, Sichler, Löffler, Purpurreiher, Rallenreiher, Stelzenläufer, Säbelschnäbler, viele Limikolenarten, Trauerseeschwalbe und andere mehr.

4) Laguna de Medina und Salinas de Santa Maria
Ein kleineres, weit weniger bekanntes Beobachtungsgebiet in der Provinz Cadiz ist die Laguna de Medina, südlich der Stadt Jerez gelegen, sowie die Salinas de Santa Maria am Rande von El Puerto de Santa Maria. Die Laguna de Medina ist mit einem Holzbohlenweg, Beobachtungshäuschen und -platform bestens ausgestattet und man kann hier unter Umständen das seltene Kammblässhuhn sehen. Die Salinas de Santa Maria habe ich eher zufällig entdeckt; von einem langen Feldweg aus, der von CA-3113 von Osten nach Westen führt, kann man bequem aus dem Auto die Vögel der Region beobachten. Neben etlichen Rosaflamingos konnte ich dort u.a. Goldregenpfeifer, Kiebitzregenpfeifer, Rotflügel-Brachschwalbe, Dünnschnabelmöwe, Wiesenweihe und das Rothuhn sehen.

Abseits der Vogelbeobachtung bieten Extremadura und Andalusien natürlich auch tolle Kulturstätten und hübsche Städte, die einen Besuch wert sind. Ganz besonders empfehlen kann ich die Städte Cáceres, Córdoba und Granada; in letzterer Stadt natürlich die Alhambra (Tickets lang vorher unbedingt online reservieren!). Die Alhambra und das Stadtviertel Albaicin sind wirklich so toll, wie es überall zu hören und zu lesen ist.

Von der Jahreszeit her bietet sich für den Ornitho-Urlaub dort vor allem die Frühlingszugzeit an (März-Mai), auch vom Hitzeaspekt her. Andalusien im Hochsommer soll nicht sehr erträglich sein. Südspanien und Westspanien sind für den Vogelbeobachter ohne Zweifel ein absolutes Highlight. Wenn zur man ausreichend Zeit mitbringt und sich ein Auto mietet, wird man lange von den fantastischen Eindrücken der Natur dieser Region zehren.

Juni 26, 2011 · Totontli · 2 Comments
Tags: ,  · Posted in: Arten-Europa, Beobachtungsgebiete, Bienenfresser, Gänsegeier, Vogelbücher & Vogelmedien

Der Beste der Besten der Besten

Zur Grundausstattung jedes Vogelbeobachters gehört ein gutes Bestimmungsbuch in dem die Arten seines Beobachtungsgebiets beschrieben sind. Solch ein Buch soll vom Format her möglichst transportierbar sein, so dass man es auch ins Feld mitnehmen kann (sog. Feldführer). Wer noch kein solches Buch besitzt oder mit seinem nicht zufrieden ist, der sollte unbedingt auf die im April 2011 erschienene überarbeitete Neuauflage des „Svensson“ einen Blick werfen, denn für viele Vogelbeobachter gilt der „Svensson“ als der beste Feldführer in deutscher Sprache.

Das herausragende am „Svensson“ (eigentlich besser in dem Zusammenhang „Mullarney/Zetterström“ genannt) sind meiner Meinung nach die Illustrationen der Arten. Es werden zur jeweiligen Art in höchster Qualität alle relevanten Kleider dargestellt; zudem sind die Vögel noch in typischen Posen bzw. typischen Umgebungen dargestellt: Rohrsänger im Schilf sitzend, der Kleiber kopfunter den Baumstamm entlangkletternd und der Eichelhäher einen Waldkauz beschimpfend.

Im Vergleich zur Vorauflage wurde etliche Arbeit in die Aktualisierung der Verbreitungskarten gesteckt. Hierbei wurden viele sinnvolle Änderungen vorgenommen; so wurde z.B. für Arten, die nur in Spanien vorkommen, nur noch eine Karte der iberischen Halbinsel dargestellt (z.B. spanischer Kaiseradler). In der Vorauflage von 1999 wurde an jenen Stellen noch eine komplette Europakarte abgebildet. Eine weitere Verbesserung ist die Aufführung der englischen Artnamen; ein englisches Register findet sich jedoch nicht im Buch. Auf jeden Fall wird das aber die Kommunikation in Beobachtungsgebieten mit internationalen Besuchern erleichtern, wenn man schnell auf den englischen Artnamen zugreifen kann.

Manche Leute mögen sich wundern, dass nach circa 10 Jahren schon wieder eine neue Auflage eines Vogelbestimmungsbuchs nötig ist. Ich hörte auch schon die Fragen: „Warum kaufst Du das? Du hast doch schon den „Svensson“; soviel ändert sich doch nicht bei den Vögeln.“ Hier sei auf das Vorwort der Autoren verwiesen. Um das Jahr 2000 hat sich durch molekulargenetische Erkenntnisse bei der Systematik der Vögel Europas viel getan. Unterarten wurden zu eigenständigen Arten und die traditionelle Abfolge der Arten in Bestimmungsbüchern hat sich geändert. Erst standen stets die Seetaucher ganz vorn, jetzt beginnt es mit Entenvögeln und Hühnervögeln. Auch hier sind genetische Erkenntnisse der letzten Jahre eingeflossen. Insgesamt sind im Vergleich zur 1999er Auflage 41 neue Arten hinzugekommen.

Manchem werden als negative Kritikpunkte vielleicht die kleine Schrift und die kleinen Verbreitungskarten in den Sinn kommen. Aber das ist einfach der Kompromiss aus Transportierbarkeit des Buchs und der großen Informationsmenge. Ich persönlich halte diese schwierig zu treffende Balance für sehr gelungen.

Bleibt noch die Frage mit welchem Buch man den „Svensson“ vergleichen kann. Mir scheint das schwer zu beantworten zu sein. Am ehesten fällt mir der „Jonsson“ (Die Vögel Europas) ein, jedoch konnte ich mich nie richtig mit dem Illustrationsstil dieses Buchs anfreunden (z.B. die Vögel, die den Leser anschauen). Die Abbildungen sind im „Jonsson“ schön groß, aber manchmal hat man dafür nur eine Abbildung pro Art (keine verschiedenen Kleider). Jedoch gelten die Verbreitungskarten des „Jonsson“ allgemein als sehr gut. Dann wäre da noch der Klassiker „Was fliegt den da?“, den ich für Neueinsteiger in die Vogelbeobachtung für ein sehr gutes Buch halte: Fokus auf weniger Arten, gute Illustrationen, knappe Beschreibungen. Da kann der „Svensson“ den ein oder anderen Neuling vielleicht ein bisschen mit Fülle der Informationen erschlagen.

Prinzipiell aber kann man mit der Anschaffung des neuen „Svensson“ gar nichts falsch machen. Man erhält einen hochwertigen Feldführer, der den aktuellen Kenntnisstand der Systematik und der Verbreitung der Arten darstellt.

Noch eine persönliche Anmerkung: Zur 1999er Auflage des „Svensson“ hatte der Kosmos-Verlag eine großformatige Version (32cm x 23cm ) des Buches aufgelegt, die ich glücklicherweise noch zu einem vernünftigen Preis über ein Antiquariat beziehen konnte (heute am 3.6.11 finde ich lächerlich teure Angebote um 1500 EUR für dieses Buch). Diese Großausgabe ist die perfekte Genießeredition zum Nachschlagen für zu Hause und zum schmökern. Es wäre schön, wenn der Kosmos-Verlag so etwas von der aktuellen Ausgabe auch wieder anbieten würde.

Der „Der Kosmos Vogelführer“ (Untertitel: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens) ist im Kosmos-Verlag erschienen und er kostet 29,95 Euro. Die Autoren sind Lars Svensson (Texte und Karten) und Killian Mullarney und Dan Zetterström (Illustrationen und Bildlegenden). ISBN: 978-3440123843.

Falls jemandem die Überschrift seltsam vorkommt: Klick.

Juni 3, 2011 · Totontli · One Comment
Posted in: Vogelbücher & Vogelmedien