Alan Rosenblith: The Money Fix

Ich möchte allen Geldsysteminteressierten den Film “The Money Fix” von Alan Rosenblith ans Herz legen; es ist ein weiterer Film zum Thema Geldsysteme, ihren Problemen unter dem momentanen Setup und nachhaltigen Alternativen dazu. Die erste halbe Stunde des Films führt den Zuseher an das Thema heran. Folgende Punkte werden thematisiert: privates Federal Reserve System, fraktionales Reservesystem, Geldschöpfung durch Privatbanken, edelmetallgedeckte Währungen, Geschichte des US-Währungssystems, Giralgeld vs. Papiergeld, Probleme des Zinssystems, Geldknappheit und dessen Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit.

Es wird im Mittelteil des Films ein Zusammenhang zwischen natürlichen Systemen (wie z.B. dem Ökosystem Baum) und unserer Wirtschaft aufgezeigt. Natürliche Systeme basieren dabei viel mehr auf Kooperation als auf Wettbewerb, wohingegen unser momentanes Wirtschaftssystem eher auf Wettbewerb als auf Kooperation fußt. Diese Tatsache wird durch die heute herrschende Doktrin der “modernen Welt in permanenter Knappheit” begründet; im Film wird das, frei übersetzt, “Es-gibt-nicht-genug-Glaubenssystem” genannt. Als eine wichtige Säule dieses Glaubenssystems wird die notorische Geldknappheit dargestellt.

Das letzte Drittel des Films bietet Lösungsansätze zu den Problemen unseres heutigen Geld- und Wirtschaftssystems. Es werden regionale Komplementärwährungen wie z.B. die RiverHours, Zeittauschsysteme/Kredittauschsysteme (mutual credit systems) wie Fourth Corner Exchange und Bartersysteme porträtiert. Besonders die zinslosen Kredittauschringe werden ausführlicher behandelt. Diese Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass der Geldschöpfungsschritt nicht wie im momentanen System die Kreditnahme ist, sondern die Erbringung einer Arbeitsleistung oder der Besitzwechsel einer Ware.

Der Film steht unter CC-Lizenz und ist in mehreren Sprachen untertitelt. “The Money Fix” besteht im wesentlichen aus Interviews mit Menschen, die sich mit Geldsystemen befassen; hier sticht vor allem Bernard Lietaer hervor, einer der Fürsprecher von alternativen Währungssystemen.

“The Money Fix” wird am 20. Februar 2010 auf dem Big Sky Documentary Filmfest gezeigt werden. Viel Erfolg!

17. Feb 2010 · Totontli · 5 Comments
Posted in: NON-BIRD

5 Responses

  1. Andreas Bangemann - 18. Feb 2010

    “Diese Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass der Geldschöpfungsschritt nicht wie im momentanen System die Kreditnahme ist, sondern die Erbringung einer Arbeitsleistung oder der Besitzwechsel einer Ware.”

    Was ist denn die Erbringung einer Leistung anderes als die Vergabe eines “Kredites” an den Leistungsnehmer?
    Leistung und Gegenleistung fallen nie zeitlich zusammen.
    Der Einstieg über die ach so sehr zu verteufelnde Möglichkeit der Kreditvergabe aus dem nichts durch die Geschäftsbanken ist ein Denkfehler, der die gesamte – in manchen Bereichen durchaus wertvolle – Recherche eines solchen Films zunichte macht.
    Alles, wirklich alles, was wir von der Natur und anderen Menschen empfangen ist zunächst immer ein “Kredit”. Das ist auch der Ursprung jeglicher in der Folge von Banken in der Buchhaltung “im Nachhinein” festgehaltenen Vorgänge. Am Anfang steht die Leistung.
    Wie kann man nur dauerhaft der Einschätzung unterliegen, dass Banken mit Kreditvergabe aus dem Nichts Leistung erzeugen oder sie gar erst möglich machen?
    Hallo, aufwachen!
    Bräche morgen alles zusammen, wer hindert mich daran um meines Überlebens willen meine Fähigkeiten weiter zu nutzen und Wege des Austausches mit meinen Mitmenschen zu finden? Niemand! Und doch ist dieser Neuanfang wieder mit Kredit verbunden. Der Kredit, dem ich dem Empfänger meiner Leistung in dem Vertrauen erbringe, dass auch er mir seine Leistung zur Verfügung stellt.
    Statt sich aus buchhalterischen Abbildungen eine Welt zurecht zu stricken, wäre die Konzentration auf das Wesentliche viel “gewinnbringender”. Die optimale Organisation des Güter- und Leistungstausches auf der Basis eines Geldsystems, das den vorgegeben Tatsachen Rechnung trägt. Und dazu gehört nun mal, das am Anfang das Vertrauen steht oder “Credo” oder “Kredit”.

  2. Totontli - 18. Feb 2010

    Ich wollte mit dem von Dir zitierten Satz Folgendes ausdrücken: Von den Banken wird Kredit in Form von Geld vergeben. Was der Kreditnehmer dann mit diesem Geld macht, muss nicht unbedingt an eine reale Leistung oder einen Warentausch gekoppelt sein. Der Kreditnehmer kann das Geld auch im Keller oder auf dem Konto verrotten lassen. Von daher kann ich dem Satz “Am Anfang steht die Leistung.” nicht 100%ig zustimmen. Außer man betrachtet das Eintippen von Kreditzahlen auf des Kreditnehmers Konto durch die Bank als Leistung.

    Im Gegensatz zu jenem Bankenkreditsystem wird bei den im Film dargestellten Kredittauschsystemen zuerst eine reale Leistung erbracht (Hans repariert Huberts Zaun), die dann das Geld gebiert bzw. die Verrechnung auf dem Konto erzeugt. Hier sehe ich doch einen grundlegenden Unterschied.

    “Wie kann man nur dauerhaft der Einschätzung unterliegen, dass Banken mit Kreditvergabe aus dem Nichts Leistung erzeugen oder sie gar erst möglich machen?” Nun, ein bisschen so ist es doch, sonst würden doch viele Firmen und Mittelständler nicht so über die Kreditklemme jammern. Kein Kredit => keine Leistung durch neue Investitionen der Firma. Aber ich denke, dass das nicht so schwarz/weiß ist. Wie du schon sagst: Selbst wenn alles zusammenbräche, würden die Menschen weiterhin Leistungen erbringen.

    Deinem letzten Abschnitt stimme ich zu.

  3. Andreas Bangemann - 18. Feb 2010

    Die reale Leistung vom Menschen (oder dem Unternehmen) wird immer zuerst erbracht auch in dem von Dir sogenannten “Bankenkreditsystem”. Die Leistung kommt zum Markt und erwartet dort die Zahlung. Der Zahlende braucht das Geld dazu. Leiht er sich es bei der Bank wird der Gläubiger getauscht. Es ist jetzt nicht mehr der Leistungserbringer, sondern die Bank. Der Leistungsbezieher ist zunächst immer der Kreditnehmer. Die Bank verleiht das Geld eines Anlegers an den Kreditnehmer oder – falls nötig – von der Zentralbank. Die “muss” dafür sorgen, dass genau soviel Geld “gesetzliches Zahlungsmittel” bereit steht, wie gerade Leistungen am Markt erzeugt und nachgefragt werden. Dazwischen liegen Einlagen- und Kreditgeschäfte, sowohl zwischen Geschäftsbanken und Zentralbank, als auch zwischen Geschäftsbanken und Wirtschaftsteilnehmern.

    Aus diesen im Laufe der Menschheitsgeschichte sich nie veränderten Prozess heute ein “Bankenkreditsystem” zu machen und es auch gleich zu verteufeln, weil die mächtigen Banken sich angeblich durch Schöpfung aus dem Nichts bereichern, liegt völlig neben der Realität.
    Die Wirtschaftsteilnehmer brauchen die Freiheit mit ihren Geschäftspartner jegliche Möglichkeit der Bezahlung einer Leistung zu vereinbaren. Im Falle der Vereinbarung von Scheck- oder Wechselzahlung spricht doch auch niemand von Geldschöpfung aus dem Nichts. Verrechnungsschecks können beliebig lange als Zahlungsmittel weiter gereicht werden.

  4. Totontli - 18. Feb 2010

    Demzufolge ist die Kritik an der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken, die von Huber, Senf etc. kommen, nicht gerechtfertigt? Ich hatte deren Argumentation bislang als recht stichhaltig befunden. Vor allem: Was ist mit der Zinsbehaftung bei der Kreditgeldschöpfung? Führt das etwa nicht zu Gewinnen (“Bereicherung”) bei den Banken? Da sehe ich doch einige Probleme, wenn man eine nachhaltige Wirtschaftsordnung zum Ziel hat. Wo liegen denn Deine Lösungsansätze, wo siehst du die Probleme in der heutigen Wirtschaftsordnung?

  5. gast - 27. Jan 2011

    Natürlich sollte da am Anfang eine Leistung sein, die beim Tausch eine dem Preis entsprechende Geldmenge erzeugt.
    Da jedoch durch eine Mindestreserve von nur mehr 2% jeder Euro 50x gegen Zinsen verliehen wird, stimmt das Argument der leistundslosen Gelderschaffung aus dem nichts. Das Vertrauen, Glaubwürdigkeit oder Kredit besteht darin, dass für die neu erschaffene Geldmenge die zugehörigen Güter später erschaffen werden. Das Geld für die Zinsen gibt es nicht, weil es nicht zusammen mit dem Kreditgeld erschaffen wird, was dazu führt, dass immer Geld fehlt.
    Am Finanzmarkt wird Geld nicht einmal mehr aufgenommen um Güter zu erschaffen, sondern nur noch neues Geld, das wieder als zinsbelastetes Schuldgeld vergeben wird. Ein gigantisches Schneeballsystem, bei dem noch zusätzlich jeder um das Geld für die Zinsen konkurriert und bei dem der verlieren wird, der am Ende auf dem ganzen wertlosen Papier sitzt. Ähnlich wie 1923.
    Erinnern wir uns an das Ende eines Monopoly Spiels. Das ist nicht gekommen, wenn die Bank kein Geld mehr hat, denn dann schreibt der Banker Zettel mit Zahlen darauf.

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