Archive for 27. Nov 2009
Vortrag über die NATO von Daniele Ganser
Wer ca. 2 Stunden Zeit hat und sich ein bisschen tiefer mit der NATO befassen möchte, sei auf einen Vortrag von Dr. Daniele Ganser mit dem Titel “Die NATO und ihre Geheimarmeen” verwiesen (gehalten am 14. 09. 2009). Zunächst zum Vortragenden: Daniele Ganser ist schweizer Historiker, Friedensforscher und Dozent am Historischen Seminar der Universität Basel. Ganser ist vor allem durch sein Buch “NATO-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung” bekannt geworden. Ich zitiere dazu aus der Wikipedia: “Im Jahre 2005 veröffentlichte Ganser, basierend auf seiner Doktorabeit, ein Buch über die NATO-Geheimarmeen in Europa und inszenierten Terrorismus im Kalten Krieg. Ausgehend von freigegebenen Dokumenten zur italienischen Stay-Behind Armee „Gladio“ hat Ganser die Existenz von Geheimarmeen in ganz Westeuropa aufgezeigt, die im Falle einer sowjetischen Invasion einen Guerillakrieg führen sollten und in einigen Länder in Staatsterrorismus verwickelt gewesen sein sollen. Das Buch wurde in zehn Sprachen übersetzt und erschien 2008 auch auf Deutsch.”
Ganser erläutert in seinem Vortrag zunächst die Organisationsstruktur der NATO, deren Gründung und deren stetige Erweiterung über die Jahrzehnte. Während des größten Teils des Vortrags behandelt Ganser sein Thema: die NATO-Geheimarmeen in verschiedenen europäischen Ländern und deren teilweise Verstrickung in zweifelhafte Operationen, die man aus heutiger Sicht wohl als staatlich organisierten Terror anzusehen hat. Hier sei vor allem die eben erwähnte Geheimorganisation “Gladio” genannt. Ein weiterer Abschnitt des Vortrags befasst sich mit der erstmaligen und bisher einmaligen Ausrufung des NATO-Bündnisfalls nach Artikel 5 in Folge von 9/11. Ganser betont hierbei die heute manchmal unterschätzte Wichtigkeit dieser Ausrufung des Bündnisfalls, die letztlich bedeutet, dass die NATO inklusive Deutschland seit dem 1. Oktober 2001 im Krieg ist. Seltsamerweise wurde das hierzulande über 8 Jahre durch Euphemisen (“Stabilisierungseinsatz” etc.) zu verschleiern versucht. Ganser beleuchtet weiterhin im Vortrag die Schwierigkeiten eines Historikers bei der Forschung um NATO und 9/11; dabei weist er im Zusammenhang mit 9/11 vor allem auf den dringenden Klärungsbedarf um den Einsturz von World Trade Center Gebäude 7 hin. Abgeschlossen wird der Vortrag durch das recht kurze Kapitel “Die Schweiz und die NATO”.
Heute hat der Bündnisfall einen deutschen Ministerkopf rollen lassen.
(via)
27. Nov 2009
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Totontli ·
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Gelesen in Max Ottes “Der Informationscrash”: Heiner Flassbeck zu den Wirtschaftswissenschaften
Das aktuelle Buch von Max Otte “Der Informationscrash” präsentiert auf Seite 70 ein Zitat des ehemaligen Finanzstaatssekretärs und jetzigen Chefökonomen des United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) Heiner Flassbeck. So wie Literaturwissenschaftsprofessor Jochen Hörisch das Geldsystem als ein religionsähnliches Glaubensystem ansieht, so deutet Flassbeck diese Sichtweise auch für die Wirtschaftswissenschaften an:
“Ökonomie als Religion? Wer glaubt, die Lehrsätze der Ökonomie würden ständig kritisch hinterfragt, der irrt. Deren Axiome sind weit mehr Ideologie und Glaubensbekenntnis als rational abgeleitetes und empirisch getestetes Grundwissen.”
Max Otte hatte im Aufwungs- und Boomjahr 2006 ein Buch mit dem Titel “Der Crash kommt” veröffentlicht und damit nicht nur einen Bestseller gelandet, sondern sich auch entgegen der damaligen Strömungen als weitsichtiger Ökonom erwiesen.
22. Nov 2009
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Totontli ·
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Gelesen in brand eins: Eric Hobsbawn zu den Wirtschaftswissenschaften
Das aktuelle Heft von Brand Eins enthält einen sehr lesenswerten Artikel (Titel: Die richtige Schraube) zum Versagen der Wirtschaftswissenschaften bezüglich der Vorhersagekraft von Wirtschaftskrisen. Im Artikel wird der britische Historiker Eric “Es wird Blut fließen, viel Blut” Hobsbawn wie folgt zitiert:
“Die Wirtschaftswissenschaften beschäftigen sich immer mir denselben Fragen. Sie entwickeln sich nicht so weiter wie die Physik oder die Chemie. Lesen Sie einen ökonomischen Text aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts: Er ist immer noch aktuell. Aber lesen Sie einmal einen Aufsatz zur Physik aus den zwanziger Jahren – und Sie werden feststellen, dass wir heute sehr viel mehr wissen. [...] Ideen zur Lösung von Problemen entstehen in den praktischen Situationen, in denen Menschen stecken. Man muss die Wirtschaftswissenschaften erweitern.”
Seltsamerweise ist das aus meiner Sicht ausgesprochen gute und lesenwerte, monatlich erscheinende Magazin Brand Eins relativ unbekannt. Jedes Heft hat ein schlagwortartiges Thema wie “Denken”, “Stabilität”, “Arbeiten” etc. Lest doch mal im Online Archiv ein bisschen rein, vielleicht sagt es Euch ja auch zu.
15. Nov 2009
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Totontli ·
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Bruno Schrep: nebenan (Wahre Geschichten)
In einer Kultursendung auf B5aktuell wurde ich auf dieses Buch aufmerksam (hier anhören). Die Rezension im Radio war ausgesprochen positiv und ich sollte nicht enttäuscht werden. Der Autor hat 20 Geschichten zusammengetragen, die man zumeist auf den “Vermischtes”- oder “Panorama”-Seiten einer Zeitung in Form einer knappen Meldung findet. Schrep ist diesen Geschichten nachgegangen, hat die Hintergründe recherchiert und erzählt dem Leser in klarer und neutraler Sprache die Hintergründe, Vorgeschichten und Nachwirkungen dieser zumeist tragischen, schicksalshaften Ereignisse. Da ist beispielsweise die über 70jährige Mutter die nach aufopferungsvollem Leben ihre schwerstbehinderte 52jährige Tochter umbringt. Da ist der trinkende Polizist, der einen jungen Mann totfährt. Es gibt das Portrait der Herrenfussballmannschaft des Hamburger Gefängnisses Santa Fu, die an einer normalen Liga teilnimmt und dadurch immer Heimrecht geniesst. Weiters gibt´s den extrem streng religiösen Vater einer Großfamilie, dem der rebellische Sohn zu einer zu großen Konkurrenz wird.
Ganz besonderes Interesse hat bei mir die Geschichte der RAF-Terroristin Susanne Albrecht geweckt, da ich zuletzt den Film “Der Baader-Meinhof Komplex” gesehen habe, wo die Geschichte um die Ermordung von Jürgen Ponto, in die Albrecht verwickelt war, nur relativ knapp angerissen wurde. Die Geschichte der Susanne Albrecht wird bei Schrep nicht nur auf ihre Person beschränkt; es wird darüber hinaus auch noch die bedrückende Konsequenz für die vor dem Mord befreundeten Familien Albrecht und Ponto geschildert.
Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Buch ein Feelgood- oder ein Feelbadbuch ist. Die Geschichten die Schrep präsentiert sind allesamt “starker Tobak”, so dass man zwar zunächst stark bedrückt ist, sich aber dann angesichts der beschriebenen Schicksale spontanes Wohlbefinden über die eigene Normaloexistenz einstellt. Eins ist sicher: Es ist ein klasse Buch, das man in einem Zug verschlingt, wenn es einen gepackt hat.
1. Nov 2009
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Totontli ·
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