Vortrag von Prof. Dr. Joseph Huber bei der Bürgerinitiative Bedingungsloses Grundeinkommen e.V. (BbG) in Berlin

Auf einer Veranstaltung der Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V. (BbG) Berlin hat am 30. April 2009 Professor Dr. Joseph Huber (Wirtschafts- und Umweltsoziologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) einen 50-minütigen Vortrag zur Reform der Geldschöpfung gehalten. Die von Prof. Huber präsentierte Vollgeldreform wird von ihm und anderen Initiatoren als eine Methode zur Verhinderung von spekulationsbedingten Finanzkrisen angesehen. Der zentrale Kritikpunkt richtet sich dabei gegen die Möglichkeit zur Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken.

Zu Beginn des Vortrags erläutert Prof. Huber zunächst einmal das Entstehen und die Dynamik solcher gravierenden Wirtschaftskrisen, die zu einen beträchtlichen Teil durch übermäßige Kreditgewährung der Geschäftsbanken hervorgerufen werden. Des weiteren erklärt Prof. Huber die Struktur unseres heutigen Geldsystems, das zunehmend aus unbarem Giralgeld und immer weniger aus klassischem Bargeld besteht. Weitere Themen und Stichworte: Geldmengensteuerung und -wachstum, Kreditgeld, Bank Runs, Relation Realwirtschaftswachstum vs. Geldmengenwachstum, Verfassungsrang der Geldschöpfungsthematik, mangelnde Möglichkeiten zur Geldmengensteuerung der Zentralbanken.

Eine bemerkenswerte Passage des Vortrags zur aktuellen Konfusion in unserem Geldsystem bzgl. Giralgeld findet sich ab Minute 19. So wird Giralgeld heute wie Geld verwendet (z.B. Überweisungen), ist aber – wie die Bundesbank in dieser Broschure (pdf) auf Seite 36 schreibt – kein gesetzliches Zahlungsmittel. Dennoch verlangen zum Beispiel staatliche Institutionen, wie z.B. die Finanzämter die Begleichung von Steuerschuld in diesem nichtgesetzlichen Giralgeld. Wo man doch meinen möchte, dass zumindest der Staat mit gesetzlichem Zahlungsmittel agiert.

Huber geht auch auf die politische Durchsetzbarkeit seiner Vollgeldreform ein und sieht die Chancen eher pessimistisch, da zum einen in der breiten Masse der Bevölkerung für diese Geldsystemfragen kein Problembewusstsein besteht. Zum anderen dürfte die Bankenlobby diesen Plan mit Argusaugen beobachten.

Für alle Grundeinkommensinteressierten: Ab Minute 29 geht Huber auf die Verbindbarkeit der Vollgeldreform mit dem Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens ein und ab Minute 55 startet eine Diskussion darüber.

Prof. Huber trägt sehr angenehm und sachlich vor. An den Vortrag schliesst sich eine ca. 80-minütige Diskussion an.

Prof. Huber hatte einige Tage nach dem hier verlinkten Vortrag am 8. Mai 2009 noch ein Interview zum selben Thema gegeben.

30. Aug 2009   Posted in: Bankenwesen, Geldsystem, Wirtschaftskrise

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