Notwendige Reformen des Geldsystems: Bernd Senf bei Junge Medien Hamburg und im Tagesspiegel
Prof. Dr. Bernd Senf formuliert in einem Interview mit Junge Medien Hamburg von Ende März 2009 einen Sieben-Punkte-Forderungskatalog zur Reform des Geldsystems, die er als not-wendig¹ (sic) ansieht. Die sieben Punkte sind:
1. Überwindung des Zinssystems durch umlaufgesicherte Indexwährung
2. Geldschöpfung nur in öffentliche Hand
3. Zinsfreies Geld für den Staatshaushalt
4. Unterbindung der Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken aus dem Nichts
5. Staatliche Förderung alternativer Geldsysteme (Regionalwährungen u.a.)
6. Schließen von Steuerflucht-Oasen
7. Börsen- und Devisenumsatzsteuer zur Dämpfung von Spekulation
Bernd Senf im Interview: “Wenn man schon lange Jahre und Jahrzehnte den Kritikern des bestehenden Geldsystems wenig Beachtung geschenkt und sie weitgehend ignoriert oder gar diffamiert hat, dann sollten man mindestens jetzt die von ihnen eingeforderten grundlegenden Reformen des Geldsystems ernst nehmen und öffentlich diskutieren – anstatt lediglich mit Unsummen von neu geschöpftem Geld lediglich die Symptome zu bekämpfen und dabei schlimme Risiken und Nebenwirkungen (wie Staatsbankrott oder Hyperinflation) zu provozieren. Die marktradikalen Prediger des Neoliberalismus, die der ganzen Welt erzählt haben, dass deregulierte Märkte (einschließlich der spekulativen Finanzmärkte) im Zuge der Globalisierung zu weltweit wachsendem allgemeinen Wohlstand führen würden, sollten ein für alle Mal ausgedient haben. Diese Ideologie und ihre globale Umsetzung ist gescheitert. Um so absurder ist es, wenn nun manche ihrer Vertreter als Sachverständige zur Rettung herangezogen werden. Das ist gerade so, als würde man die Brandstifter zu Feuerwehrleuten und Feuerschutzbeauftragten machen.”
Hier geht´s zum kompletten Interview bei junge Medien Hamburg. Lesenswert sind auch Senfs Äußerungen im Tagespiegel im Februar 2009. In letzterem Interview wird vor allem die Problematik des Zinssystems thematisiert, aber auch die gescheiterte neoliberale Ideologie:
“Der normale Gang der Dinge in einer Marktwirtschaft sollte sein, dass Unternehmen, die sich verkalkuliert haben beziehungsweise Verluste gemacht haben und keine Reserven besitzen, ihre Existenzberechtigung verlieren. Das ist der Ablauf, der Jahrzehntelang gepredigt worden ist: Die Märkte regulieren sich selbst. Wer sich am Markt bewährt, der hat Chancen. Wer sich nicht bewährt, der landet im Konkurs oder geht Pleite. Mit einem Male sehen wir, dass dies für Banken nicht gilt.“
Es bleibt weiterhin zu hoffen, dass die von Senf angesprochenenen Punkte wie Geldschöpfung und Dynamik des Zinssystems einen Zugang zu einer breiteren öffentlichen Diskussion finden. Immerhin: In der aktuellen Ausgabe des “Der Freitag” findet sich eine halbe Seite über das Freigeldexperiment von 1932 in Wörgl (“Wunder von Wörgl”).
____________
¹ Prof. Senf hebt öfter einmal die Bedeutung des Wortes notwendig durch die Schreibweise “not-wendig” hervor, denn es bedeutet “um die Not zu wenden”.
11. Jul 2009
Posted in: Geldsystem, Wirtschaftskrise























Deutsch
Español
Leave a Reply