Monetative und Nachhaltiges Geldsystem
Letzte Woche war Angela Merkel zu Gast bei der ZDF-Talkerin Maybrit Illner. In dieser Show gibt es für Bürger die Möglichkeit, per Youtube-Video eine Frage zu stellen. Georg Nägle aus Berlin stellte folgende Frage, die es aber leider nicht in die Sendung geschafft hat:
Es wäre schon interessant gewesen, welchen Allgemeinplatz die Kanzlerin losgelassen hätte. Oder wäre sie vielleicht ähnlich ahnungslos dagestanden wie Norbert Barthle auf Abgeordnetenwatch bei der Frage nach der Geldschöpfung? Oder hätte sie wie Dr. Barbara Hendricks die Frage einfach zerlabert und damit ein Nachhaken provoziert? Immerhin: Die Politiker Dr. Joachim Pfeiffer und Marieluise Beck schienen zumindest darum bemüht, auf Fragen zum Geldsystem eine angemessene Antwort zu geben. Bei Prof. Herbert Schui ist eine interessante Frage noch offen, man darf auf die Antwort gespannt sein.
Zurück zu Georg Nägle. Zusammen mit anderen Geldsysteminteressierten betreibt er zwei Webseiten, die die Probleme des momentanen Geldsystems und die Entwicklung nachhaltiger Geldsysteme zum Thema haben. Die eine Webseite „Liebe Angela Merkel“ möchte eine breit angelegte Debatte über unser Geldsystem anstossen, die nach Möglichkeit auch in den Mainstreammedien und auf Ebene der Politik geführt werden sollte. Dazu wurde eine Expertenrunde gegründet, die sich nicht wie sonst üblich aus Banklobbyisten zusammensetzt. Mit an Bord sind u.a. Raimund Brichta (Sachbuchautor und Fernsehmoderator), Prof. Dr. Joseph Huber (Wirtschafts- und Umweltsoziologie), Prof. Dr. Margrit Kennedy (Geldarchitektin und Ökologin), Prof. Bernard Lietaer (Ökonom und ehemaliger Zentralbanker), Prof. Dr. Bernd Senf (Volkswirtschaftsprofessor und Sachbuchautor).
Es werden von dieser Expertengruppe folgende Forderungspunkte aufgestellt und in Form einer Online-Unterschriftenliste vorgelegt:

- Sie unterstützen das Anliegen, eine breit angelegte Debatte über das Geldsystem zu führen?
- Sie unterstützen die Forderung für eine Vergabe von Forschungsaufträgen zur Entwicklung eines nachhaltigen Geldsystems?
- Sie möchten, dass ein objektives und ausgewogenes Gremium aus Fachleuten von der Bundesregierung beauftragt wird, um die Lösungsvorschläge für ein nachhaltiges Geldsystem zu konkretisieren? In diesem Gremium sollten auch Vertreter sitzen, die nicht zur Lobby der Finanzindustrie zählen?
Die Webseite „Liebe Angela Merkel“ enthält auch vielerlei weitere Informationsmöglichkeiten rund um Geldsysteme, wie Videos, Buchtipps, Vorträge und Termine. Und in Österreich besteht eine Partnerinitiative unter dem Titel „Lieber Werner Faymann“; Faymann ist der österreichische Bundeskanzler.
Eine zentrale Forderung der Initiatoren ist die Rückgabe der Geldschöpfung allein in die Hand des Staates (Geldschöpfung in öffentliche Hand). Zur Erinnerung: momentan wird ein Großteil des Geldes von privaten Geschäftsbanken per Kreditvergabe geschöpft. Der Vorschlag der Initiatoren hierzu lautet, eine vierte Staatsgewalt, die sogenannte Monetative, neben Legislative, Exekutive und Judikative einzurichten. Hierzu wird gerade eine zweite Webseite „Monetative” aufgebaut, die sich diesem Thema widmen soll. Ich empfehle die Lektüre der Initiativerklärung zur Einrichtung dieser Monetative.
Man darf gespannt sein, wie sich diese Diskussionen rund um Geldsysteme im Umfeld zunehmender wirtschaftlicher und finanzpolitischer Verwerfungen entwickeln werden. Und vor allem: Wird es gelingen diese Themen in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen?
Zum Abschluss dazu ein Zitat von Prof. Hans Christoph Binswanger (Schweizer Ökonom):
“99% der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als ‚nicht existent’. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine wirkliche ökologische Wende möglich.”
16. Jun 2009
·
Totontli ·
No Comments
Posted in: NON-BIRD

Deutsch
Español

Leave a Reply