Ethische Banken – Ethikbank
Anfang April 2009 veröffentlichte die Wirtschaftswoche online einen Artikel, in dem unter dem Titel „Grünes Geld wird immer beliebter“ über den steigenden Zulauf zu alternativen Kreditinstituten berichtet wurde. Dieser Artikel wurde auch schon von Peter Marwitz von Konsumpf aufgegriffen.
Im Wiwo-Artikel finden drei Banken Erwähnung, die sich auf dem Gebiet der ethischen Geldanlagen hervortun: die GLS-Bank, die Ethikbank und die Umweltbank. Dabei ist die GLS-Bank so etwas wie die Oma im Gewerbe, sie wurde bereits 1974 gegründet (Ethikbank 2002, Umweltbank 1995). Die GLS-Bank ist im Netz recht aktiv: sie betreibt neben dem Onlineauftritt nämlich ein Blog und twittert.
Ich möchte aber hier etwas über die Ethikbank schreiben, denn dort bin ich seit ein paar Monaten Tagesgeldkunde. Das praktische nur kurz: die Eröffnung des Kontos lief absolut reibungslos, war nicht überragend schnell und das Konto lässt sich bequem online und per Handy-TAN-Verfahren betreiben.
Die Ethikbank besteht wie gesagt seit 2002, sie ist eine Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg (Thüringen) (siehe Bild) und sie ist ausschließlich als Direktbank tätig und zwar in Deutschland und Österreich.
Die Ethikbank hat strikte Anlagekriterien für das Geld was ihr anvertraut wird. So kauft die Ethikbank keine Wertpapiere von Unternehmen oder Gebietskörperschaften oder vergibt an sie Kredite, die eines der folgenden Tabukriterien erfüllen:
- Militärwaffen herstellen oder vertreiben
- Atomkraftwerke besitzen oder betreiben
- Pflanzen oder Saatgut gentechnisch verändern
- Ozonzerstörende Chemikalien herstellen oder vertreiben
- Kinderarbeit zulassen
Darüber hinaus müssen sich Unternehmen noch zumindest mit einem der folgenden Positivkriterien auseinandersetzen, damit die Ethikbank deren Wertpapiere kauft oder Kredite an sie vergibt:
- Umweltpolitik
- Umweltmanagementsysteme
- Leistungen im Umweltbereich
- Geschäftspolitik unter Beachtung der Menschenrechte
- Förderung, Gleichberechtigung und Vielfalt der Mitarbeiter
- Dialog mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten
- Weiterbildung und Personalentwicklung
- Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen
- Vorsorgemaßnahmen, um Korruption und Bestechung zu verhindern
Die Ethikbank sieht sich als einzige Bank, die ihr eigenes Wertpapierportfolio stets aktuell veröffentlicht; unter dem Schlagwort „Gläserne Bank“ ist dies abrufbar.
Einen Klick wert ist vor allem die Ethik-Forschung der Bank. Dort werden beispielsweise in einer Negativliste die DAX- und MDax-Unternehmen gelistet, die eines der oben genannten Tabu-Kriterien reissen. Bemerkenswert ist, dass die überwiegende Mehrheit der dort aufgeführten Unternehmen im Zusammenhang mit Waffenherstellung und Waffenvertrieb ausscheidet. Darunter sind Unternehmen, von denen man das nicht auf den ersten Blick erwarten würde, z.B. Lufthansa und Volkswagen. Der Negativliste werden in einer Positivliste Unternehmen gegenübergestellt, die sich durch Erfüllung von Positivkriterien hervortun.
Dann gibt’s noch die dritte untere “Kontroverse” gelistete Gruppe an Unternehmen und Staaten/Ländern, die weder in die Negativliste noch in die Positivliste passen. Dazu schreibt die Ethikbank: „Es kann vorkommen, dass Unternehmen oder Staaten unsere Tabu-Kriterien zwar nicht verletzen, aber trotzdem in kritischen Geschäftsfeldern tätig sind oder aufgrund umstrittener Aktivitäten unseren ethischen Ansprüchen nicht genügen. Die in der Tabelle genannten Unternehmen haben wir deshalb aus unseren Positivlisten gestrichen.“ Dort finden sich beispielsweise Unternehmen mit anhängigen Korruptionsverfahren. Mein persönliches Highlight: Hessen. Dazu die Ethikbank: „Korruption und Schwarzgeldaffären der CDU-Landesregierung (Wir investieren nicht in das Bundesland Hessen, solange Roland Koch Ministerpräsident ist.)“
Die Ethikbank unterhält auch drei Förderprojekte, an denen man sich als Kunde beteiligen kann. Dies sind ein Ethikprojekt (Bulgarisches Waisenhaus), ein Frauenprojekt (Mädchenschule in Afghanistan) und ein Umweltprojekt (Schutz der Baikalrobbe).
Erfreut war ich als ein oder zwei Monate nach Kontoeröffnung eine handschriftliche(!), persönliche, mit schöner Sonderbriefmarke frankierte Postkarte der Ethikbank in meinem Briefkasten lag. Schön zu sehen, dass sich Leute heutzutage noch für so etwas die Zeit nehmen.
10. May 2009
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Totontli ·
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