Archive for 29. May 2009
Krähen lassen Nüsse durch fahrende Autos knacken
Ich hatte ja bei der Vorstellung des Buches “Rabenschwarze Intelligenz” von Josef H. Reichholf darauf hingewiesen, dass es in Japan Krähen gibt, die sich Nüsse von fahrenden Autos knacken lassen. Um dabei nicht unter die Räder zu kommen, befolgen sie brav die Ampelphasen. Hierzu habe ich jetzt ein Video aufgegabelt, welches dieses Intelligenzwunder der japanischen Krähen in zwei Minuten portraitiert. Wenn mich nicht alles täuscht, kommentiert David Attenborough.
Verwandter Artikel: Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz
29. May 2009
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Totontli ·
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Posted in: Filme über Vögel, Rabenvögel
Interview mit Prof. Dr. Bernd Senf zur Wirtschafts- und Finanzkrise
Ich hatte ja bereits öfter auf Prof. Bernd Senf hingewiesen, speziell auf seine Bücher und seine Webseite. Heute tat dies auch “Mr. Dax” Dirk Müller, auf seiner Webseite und in seinem Newsletter. Ich zitiere daraus:
“Am Wochenende bin ich mal wieder über ein Interview mit dem Wirtschaftsprofessor Prof. Dr. Bernd Senf gestolpert. Prof. Senf erläutert hier erneut sehr verständlich die wahren Hintergründe unserer Finanzkrise. Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle etwas langatmig wirkt (viele werden ein Video ohne schnelle Bildschnitte ala MTV befremdlich finden), ist es absolut empfehlenswert, sich die Staffel bis zum Ende anzusehen. Es wird immer spannender, je weiter es zum Ende kommt.”
Ich kannte dieses Interview vom 25. Oktober 2008 bereits, schließe mich der Einschätzung von Dirk Müller an und möchte das Video hierzu auch im Blog verlinkt haben. Wem´s zu langatmig ist, der soll sich das Video halt herunterladen und beschleunigt ansehen. Das Interview klingt dann zwar wie in Heliumatmosphäre aufgenommen, aber der Inhalt bleibt ja gleich. Dann auch gleich noch einmal der Hinweis auf das Buch “CRashkurs” von Dirk Müller; die Rezension zählt zu den meistgelesenen Artikeln dieses Blogs.
Hier das Interview mit Prof. Bernd Senf:
Gibt´s auch bei Youtube als 12-Teiler.
25. May 2009
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Totontli ·
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Mikrokredite
Diese Woche ließ Herr Berlusconi mal wieder kopfschüttelerzeugendes Gelaber vom Stapel. Wenn man seine Aussage böswillig interpretiert, geht sie in etwa so: „Leider sind unsere Flüchtlingslager wie KZs, also schieben wir besser schnell bzw. sofort ab, damit die Flüchtlinge nicht lange in den KZs sein müssen.“ Ich hätte da einen besseren Vorschlag, Herr Bärlusconi: Warum helfen Sie nicht den Flüchtlingen dabei, in deren Heimat ein besseres Leben aufzubauen? Das ist vielleicht der bessere Weg als sie mit Ihren KZs vor der Einwanderung nach Europa abzuschrecken. KZs haben halt doch ein leichtes G´schmäckle.
Da gibt es auch schon gute Methoden, um potentiellen Flüchtlingen in ihren Heimatländern zu helfen und wofür wir sogar unsere momentan durchgedrehten Kasinobanken nicht mal brauchen, und das, obwohl es mit Geld und Kredit zu tun hat.

Die Methode heißt Mikrokredit, die es seit 1976 in Bangladesch gibt und von Muhammad Yunus angestossen wurde, der dafür 2006 den Friedensnobelpreis erhielt; für seine Bemühungen um die „wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten“, wie es hieß.
Ein interessantes Konzept im Bereich Mikrokredite bietet die US-Organisation Kiva an. Jeder potentielle Kreditgeber kann sich per Internet “seinen” Kreditnehmer nach verschiedenen Kriterien (Geschäftsfeld, Region etc.) aussuchen. Das hat viel Charme, denn jeder Kreditnehmer hat eine kleine Webseite mit Foto und der Präsentation seines Projektes eingestellt. Allerdings sehen manche in der Tätigkeit von Kiva auch die Nachteile herkömmlicher Entwicklungshilfe in der Art, dass die Kreditnehmerländer von den Kivakrediten negativ beeinflusst werden. Bei den Kivakrediten handelt es sich nämlich um zinsfreie Darlehen, die durch ihre Marktüberlegenheit die Entwicklung eines funktionierenden lokalen Bankensektors nachteilig beeinflussen.
Auch das Magazin NEON berichtete über die Mikrokredite und brachte zum Bericht ein Interview mit Muhammad Yunus. Bemerkenswert in dem Interview fand ich vor allem einen Punkt. Wenn man einen Kredit an einen Kreditnehmer in ein Land der 3. Welt gibt, liegt es relativ nahe, zu denken: „Die Kohle sehe ich nie wieder.“
Gründe zu dieser Annahme gibt es ja genug: Korruption, Kriege, Armut, Unzuverlässigkeit… Jedoch bemerkt Yunus hierzu im Interview: „Wenn ein Mensch wirklich arm ist, dann wird er sich verpflichtet fühlen, zurückzuzahlen – einfach, weil es eine fundamentale, positive, das Leben bereichernde Wirkung hatte, dass er das Geld überhaupt bekommen hat. Die Zahlungsmoral von Privatpersonen ist übrigens generell besser als die anonymer Gesellschaften. Für Letztere ist das geliehene Geld etwas abstraktes, das sich schnell verflüchtigt.“
Da hat Herr Yunus wohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Beispiel anonyme Gesellschaft: Lehman Brothers. Beispiel Abstraktum, das sich schnell verflüchtigt: Zertifikat von Lehman Brothers.
Vielleicht sollte man das Konzept des Mikrokredits zum Anlass nehmen, ab und an über die Bedeutung des Wortes Kredit nachzudenken: Kredit kommt von lateinisch credere „glauben“. Zum Beispiel scheint es so als habe Yelba Del Carmen Gaitan García aus Managua mehr Glauben bzw. Kredit verdient als die Lehman Brothers Bank oder die Kaupthing Bank, denn Yelba Del Carmen Gaitan García hat ihren Kredit bereits zurückgezahlt. Was man von den anderen beiden nicht behaupten kann.
23. May 2009
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Totontli ·
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Potlatch & Jubeljahr
Dass die Schere zwischen Reich und Arm sowohl global als auch national zunehmend auseinander geht, das dürfte mittlerweile zum Allgemeinwissen zählen. Dies ist zum Beispiel im Film „Der Geist des Geldes“ von Yorick Niess aufgearbeitet. Hier der relevante Ausschnitt auf Youtube:
Ein Abschnitt im Buch „Der Tanz um den Gewinn“ von Prof. Bernd Senf thematisiert unter anderen auch dieses fundamentale Gesellschaftsproblem des Auseinanderdriftens von Reich und Arm einerseits und Schuldnern und Gläubigern andererseits (siehe Abbildung). Laut Senf wachsen Geldvermögen und Verschuldung spiegelbildlich zueinander und zwar exponentiell, bedingt durch das Zins- und Zinseszinssystem. Die sich so in der Gesellschaft und auf dem Planeten aufbauende Spannung müsse sich entsprechend in Krisen entladen.

Wie kann der Mensch dieser anscheinend systemimmanenten Problematik begegnen? Entweder er betreibt Ursachenbekämpfung oder nimmt von Zeit zu Zeit bewusst gesteuert die Spannung aus dem System. Zweiteres ist bzw. war in einigen Kulturen bereits lange vor der Zeit der modernen Wirtschaftskrisen und Verteilungskämpfe bekannt. Zwei Beispiele:
1. Potlatch
Potlatch bezeichnet ein Fest des Schenkens in diversen indianischen Kulturen an der Nordwestpazifikküste Amerikas. Durch die reichhaltige Beschenkung des Volkes hob der Häuptling oder ein anderes Stammesmitglied sein Ansehen. Dabei konnten die bei einem Potlatch gereichten Geschenke einen für die Verhältnisse des Gebers und dessen gesellschaftliches Umfeld enormen Wert erreichen. Es kam vor, dass die Erben eines ranghohen Verstorbenen ihr gesamtes ererbtes Wirtschaftsvermögen im Rahmen eines derartigen Festes hingaben, um ihrem Vorfahren ausreichend zu huldigen und um in den Genuss seines Wohlwollens zu gelangen und in der spirituellen wie rituellen Wertschätzung ihrer Zeitgenossen einen ihrer Abstammung entsprechenden Rang einnehmen zu können. Einer der Hauptanlässe des Potlatch war dabei stets die Neuverteilung der Reichtümer innerhalb des Stammes, wodurch eine zu starke Ansammlung von Reichtümern in der Hand weniger Mächtiger vermieden wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Potlatches in Kanada und in den USA verboten (inzwischen wohl wieder aufgehoben).
2. Jubeljahr
Dies bezeichnet das Jahr, das bereits in den alten jüdischen Gesellschaften alle 50 Jahre wiederkehrte. Es beinhaltete folgendes: Alle hebräischen Sklaven wurden freigelassen; verkaufte und verpfändete Grundstücke kamen ohne Entschädigung aus fremden Händen wieder an den ursprünglichen Besitzer oder seine rechtmäßigen Erben zurück (mit Ausnahmen); und alle Schulden wurden erlassen. Das Jubeljahr leitet sich vom Wort Jobeljahr ab. Das hebräische Wort Jobel (yo-bale’) steht für den Klang des Schofars (Widderhorn), der das Jubeljahr ankündigt. Im Mittelalter kam es zu einer Verschmelzung des hebräischen Wortes mit iubilum (lateinisch für Aufjauchzen) und zur Bildung von Jubeljahr. Auch heute benutzt man noch den Begriff „alle Jubeljahre“ für „sehr, sehr selten“.
Heutzutage ist weder die Befolgung des Jubeljahrs noch das Abhalten von Potlatches weit verbreitet. Die Existenz der beiden zeigt jedoch, dass das Problem der Ansammlung von Reichtum in wenigen Händen einer Gesellschaft bereits sehr alt ist. Die gesellschaftlichen Einschnitte durch ein Potlatch oder ein Jubeljahr vermieden, dass die Armen sich hoffnungslos verschuldeten und reiche Gläubiger eine zu große Macht erhielten.
18. May 2009
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Totontli ·
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Nistkasten Wolfgang S.
Manch einer sieht ja momentan an dieser und jener Stelle den Überwachungsstaat heraufziehen und versucht dagegen zu opponieren. Jedoch ist bei den Bestrebungen unser Land sicherer zu machen bislang ein wesentlicher Aspekt übersehen worden: Die Brutsicherheit im ornithologischen Bereich.
Zum Glück bietet uns Dennis Clasen nun eine Lösung für die allzu lange ignorierten Mißstände an. Die Nisthilfe “Wolfgang S.” ist da! Handgefertigt und bei Manufactum ab Juni 2009 für 59 Euro erhältlich.
Endlich: “Gefühlte Sicherheit und Privatsphäre für unsere Singvögel!”
Dabei schlägt der Käufer des Nistkastens zwei Vögel Fliegen mit einer Klappe:
1. Das kamerahafte Design der Nisthilfe gewährleistet die Abschreckung unliebsamer Gäste wie Einbrecher, Al-Kaida und 1.Mai-Mobs.
2. Die erhöhte gefühlte Sicherheit für das nistende Vogelpaar führt zu einem garantierten Bruterfolg.
Welche Vögel werden sich wohl im Nistkasten “Wolfgang S.” einfinden? Ich rechne mit brütenden Stasen, Zensigen, Stielauglitzen, Bespitzmeisen und Schnüffdrosseln.
(via)
11. May 2009
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Totontli ·
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Ethische Banken – Ethikbank
Anfang April 2009 veröffentlichte die Wirtschaftswoche online einen Artikel, in dem unter dem Titel „Grünes Geld wird immer beliebter“ über den steigenden Zulauf zu alternativen Kreditinstituten berichtet wurde. Dieser Artikel wurde auch schon von Peter Marwitz von Konsumpf aufgegriffen.
Im Wiwo-Artikel finden drei Banken Erwähnung, die sich auf dem Gebiet der ethischen Geldanlagen hervortun: die GLS-Bank, die Ethikbank und die Umweltbank. Dabei ist die GLS-Bank so etwas wie die Oma im Gewerbe, sie wurde bereits 1974 gegründet (Ethikbank 2002, Umweltbank 1995). Die GLS-Bank ist im Netz recht aktiv: sie betreibt neben dem Onlineauftritt nämlich ein Blog und twittert.
Ich möchte aber hier etwas über die Ethikbank schreiben, denn dort bin ich seit ein paar Monaten Tagesgeldkunde. Das praktische nur kurz: die Eröffnung des Kontos lief absolut reibungslos, war nicht überragend schnell und das Konto lässt sich bequem online und per Handy-TAN-Verfahren betreiben.
Die Ethikbank besteht wie gesagt seit 2002, sie ist eine Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg (Thüringen) (siehe Bild) und sie ist ausschließlich als Direktbank tätig und zwar in Deutschland und Österreich.
Die Ethikbank hat strikte Anlagekriterien für das Geld was ihr anvertraut wird. So kauft die Ethikbank keine Wertpapiere von Unternehmen oder Gebietskörperschaften oder vergibt an sie Kredite, die eines der folgenden Tabukriterien erfüllen:
- Militärwaffen herstellen oder vertreiben
- Atomkraftwerke besitzen oder betreiben
- Pflanzen oder Saatgut gentechnisch verändern
- Ozonzerstörende Chemikalien herstellen oder vertreiben
- Kinderarbeit zulassen
Darüber hinaus müssen sich Unternehmen noch zumindest mit einem der folgenden Positivkriterien auseinandersetzen, damit die Ethikbank deren Wertpapiere kauft oder Kredite an sie vergibt:
- Umweltpolitik
- Umweltmanagementsysteme
- Leistungen im Umweltbereich
- Geschäftspolitik unter Beachtung der Menschenrechte
- Förderung, Gleichberechtigung und Vielfalt der Mitarbeiter
- Dialog mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten
- Weiterbildung und Personalentwicklung
- Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen
- Vorsorgemaßnahmen, um Korruption und Bestechung zu verhindern
Die Ethikbank sieht sich als einzige Bank, die ihr eigenes Wertpapierportfolio stets aktuell veröffentlicht; unter dem Schlagwort „Gläserne Bank“ ist dies abrufbar.
Einen Klick wert ist vor allem die Ethik-Forschung der Bank. Dort werden beispielsweise in einer Negativliste die DAX- und MDax-Unternehmen gelistet, die eines der oben genannten Tabu-Kriterien reissen. Bemerkenswert ist, dass die überwiegende Mehrheit der dort aufgeführten Unternehmen im Zusammenhang mit Waffenherstellung und Waffenvertrieb ausscheidet. Darunter sind Unternehmen, von denen man das nicht auf den ersten Blick erwarten würde, z.B. Lufthansa und Volkswagen. Der Negativliste werden in einer Positivliste Unternehmen gegenübergestellt, die sich durch Erfüllung von Positivkriterien hervortun.
Dann gibt’s noch die dritte untere “Kontroverse” gelistete Gruppe an Unternehmen und Staaten/Ländern, die weder in die Negativliste noch in die Positivliste passen. Dazu schreibt die Ethikbank: „Es kann vorkommen, dass Unternehmen oder Staaten unsere Tabu-Kriterien zwar nicht verletzen, aber trotzdem in kritischen Geschäftsfeldern tätig sind oder aufgrund umstrittener Aktivitäten unseren ethischen Ansprüchen nicht genügen. Die in der Tabelle genannten Unternehmen haben wir deshalb aus unseren Positivlisten gestrichen.“ Dort finden sich beispielsweise Unternehmen mit anhängigen Korruptionsverfahren. Mein persönliches Highlight: Hessen. Dazu die Ethikbank: „Korruption und Schwarzgeldaffären der CDU-Landesregierung (Wir investieren nicht in das Bundesland Hessen, solange Roland Koch Ministerpräsident ist.)“
Die Ethikbank unterhält auch drei Förderprojekte, an denen man sich als Kunde beteiligen kann. Dies sind ein Ethikprojekt (Bulgarisches Waisenhaus), ein Frauenprojekt (Mädchenschule in Afghanistan) und ein Umweltprojekt (Schutz der Baikalrobbe).
Erfreut war ich als ein oder zwei Monate nach Kontoeröffnung eine handschriftliche(!), persönliche, mit schöner Sonderbriefmarke frankierte Postkarte der Ethikbank in meinem Briefkasten lag. Schön zu sehen, dass sich Leute heutzutage noch für so etwas die Zeit nehmen.
10. May 2009
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Totontli ·
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Buchempfehlung für die Krise
Haben Sie Interesse an einem unbezahlbaren Buch, das mit ebenso unbezahlbaren Ratschlägen im Bereich Immobilienanlage aufwartet? Dann sollten sie zum Buch „Why the Real Estate Boom Will Not Bust – And How You Can Profit from It: How to Build Wealth in Today’s Expanding Real Estate Market“ von David Lereah greifen. Kostet lediglich 11 Dollar und 65 US-Cent bei Amazon.com und ist noch(!) zu haben. Wer´s lieber bei Amazon.de bestellt, der zahlt 10,99 Euro, sollte aber lieber schnell zugreifen (nur noch 1 Stück auf Lager!) und sich nicht von der allzu schwarzmalerischen Leserrezension abschrecken lassen: „Das Buch ist keinen Pfifferling wert, wie die derzeitige Immobilienkrise in den USA eindeutig und unzweifelhaft beweist.“
Amazon.com präsentiert uns folgende Kurzrezi zum Buch: “An invaluable book . . . Today’s real estate markets are booming and Lereah makes a convincing case for why the real estate expansion will continue into the next decade. This book should prove to be a truly practical guide for any household looking to create wealth in real estate.” —DEWEY DAANE, FORMER GOVERNOR OF THE FEDERAL RESERVE BOARD OF GOVERNORS
Was wäre die Welt ohne fundierte Voraussagen!
Wer sich mehr von dieser Sorte Spaßbüchern zu Gemüte führen will, der sei auf die sehenswerte Zusammenstellung von Joshua Levi und Rogier van Bakel verwiesen.
4. May 2009
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Totontli ·
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Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz
Ein Buch über die Schläue der Rabenvögel also, geschrieben vom Leiter der Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung in München. Titel und Untertitel („Was wir von Krähen lernen können“) deuten den Inhalt an, jedoch geht das Buch ein ganzes Stück über das Thema der Intelligenz der Rabenvögel hinaus. Vielmehr liefert das Buch neben dem Titelthema auch eine Bestandsaufnahme zum Zustand der Rabenvögel in Natur und unserer Gesellschaft.
Das Buch teilt sich grob in fünf Teile: 1) Einleitung, 2) eigene „Naherfahrungen“ des Autors mit Rabenvögeln, 3) wissenschaftliche Informationen und Studien zu Rabenvögeln, 4) Beispiele zur Rabenintelligenz und 5) Rabenmythen.
Hinter die Einleitung und die Heranführung an das Thema setzt Reichholf gleich ein unterhaltsames Kapitel. Er berichtet von seinen Erlebnissen und Erfahrungen mit Dohle Flori, Rabenkrähe Tommy und Kolkrabe Mao, die der Autor alle als handaufgezogene, an den Menschen gewöhnte Individuen kennenlernen und studieren konnte. Leider endeten die Leben einiger dieser Vögel mehr oder weniger tragisch. Es schließt sich ein umfangreiches Kapitel an, das das Leben der Raben-, der Saatkrähe und des Kolkraben in freier Wildbahn und seine Herausforderungen schildert und charakterisiert. Neben Krähen und Kolkraben werden dabei auch die anderen Mitglieder der Rabenvogelfamilie portraitiert: Eichelhäher, Elster, Dohle und Tannenhäher. Dabei geht der Autor immer wieder darauf ein, wie der Mensch auch heute noch durch massenhaften Abschuss von Krähen in deren Leben eingreift.
Einen größeren Teil des Buches nimmt die sehr spezielle Beziehung zwischen Krähen und Nüssen ein. Nicht nur liefern Nüsse vor allem im Winter wertvolle Energie für die Krähen, die Nüsse stellen auch – und hier wären wir bei der Intelligenz – eine Herausforderung bezüglich des Knackens dar. Dies beginnt beim einfachen Fallenlassen der Nüsse von Dächern und endet mit feinabgestimmtem Platzieren der Nüsse während Ampelrotphasen auf der Straßenkreuzung zur Knackung der Nüsse durch Autos. Wohlgemerkt: Bewerkstelligt durch Krähen! Bemerkenswert ist auch das Vergraben der Nüsse durch Krähen und das zielgenaue Wiederfinden derselben nach Monaten sogar durch die geschlossene Schneedecke hindurch.
Ein weiteres Highlight der Raben- oder besser Krähenintelligenz, das Reichholf präsentiert, ist die neukaledonische Krähe Betty, die mit einem gebogenen Draht Nahrung aus einem Glaszylinder angelt (der Spiegel berichtete auch darüber).
Das Buch schließt mit einem Kapitel über Rabenmythen, die das ganze Spektrum von positiven Mythen bis negativen Horrorstories abdecken. Teilweise wurden einst Rabenvögel als Gottheiten verehrt, allerdings änderte sich in unseren Breiten im Mittelalter ihr Ansehen zunehmend zu dem von Todesvögeln, da sie z.B. oft in Gegenwart von Leichen- oder Schlachtabfällen zu sehen waren.
Eine Botschaft von Reichholf, die er mehrmals anführt, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen: Der Autor beklagt, dass die Rabenvögel zwar heute unter einem gewissen gesetzlichen Schutz stehen und somit z.B. nicht mehr von Privatleuten gehalten werden dürfen, es aber dennoch zu hundertausenden Abschüssen von Krähen kommt. Er nennt dies „Papier(tiger)naturschutz“ und prangert an, dass durch das Haltungsverbot vielen Rabenvogelfreunden der Spaß an diesen hochinteressanten Tieren verwehrt wird.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, da es eine spezielle Mischung ist, die eine Pressestimme (siehe Webseite des Verlags Herbig) treffend so charakterisiert: „Ein Sachbuch, wie es sein soll: differenzierte Positionen, kluge Antworten und ein Schuss persönlicher Emotion.” Dieser Einschätzung schließe ich mich an. Besonders ansprechend fand ich die zahlreichen kleinen Detailinformationen, die man so sicher in wenigen vogelkundlichen Büchern findet. Ein Beispiel. Frage: „Warum sind Rabenvögel eigentlich schwarz?“ Hierzu die Information: Der momentane Kenntnisstand geht davon aus, dass zwischen schwarzem Gefieder und schlechtem Geschmack des Vogels (also die Krähe selbst schmeckt schlecht, wenn man sie denn verzehrte) ein Zusammenhang besteht. Das schwarze Gefieder als Verzehrschutz quasi. In dieser Art gibt es über das Buch verstreut immer wieder kleine Informationen und Zusammenhänge, bei denen man sich denkt: „Ach, das ist ja interessant; das war mir vorher nicht klar.“ Und unter dem Schutzumschlag trägt das Buch übrigens die Farbe…na? Richtig.
Ich möchte noch eine persönliche, sehr eindrucksvolle Begegnung mit einem Raben anfügen. Sie fand in Vancouver, Kanada im Anthropolgiemuseum statt. Dort steht ein gigantisches Kunstwerk von Bill Reid, der den Schöpfungsmythos des Nordwestpazifikküstenindianerstamms der Haida als Skulptur verarbeitet hat. Dargestellt ist der Moment als der Rabe als weiser, mächtiger, aber auch schelmischer Schwindler die ersten Menschen des Stammes der Haida aus der an Land gespülten Auster ins Freie lockt (die Geschichte hier auf deutsch lesen). Wer jemals die Chance hat, sich dieses Kunstwerk in Vancouver anzusehen, sollte das tun.
Also auch die Haida verstanden, dass Raben über Intelligenz verfügen; sie sprachen dem Tier darüber hinaus Weisheit, Macht und die Gewitztheit kleiner Schwindeleien zu. Weitere Mythen der Haida kann man auf englisch in diesem kleinen Büchlein lesen. Der Rabe kommt in ihnen nicht zu kurz.
Verwandter Artikel: Krähen lassen Nüsse durch fahrende Autos knacken
3. May 2009
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Totontli ·
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