Geldschöpfung in öffentliche Hand statt Bad Bank

Jetzt wird also herumgehektikt und -gepanikt, dass ohne schnelle Schaffung von Bad Banks zur Auslagerung von “toxischen und faulen Papieren” keine Konjunkturerholung möglich sei. Müll sucht Eimer! Aber schnell!

Die Ausmaße des gefährlichen Papierramsches werden uns häppchenweise aufgetischt, wie es der IWF heute wieder einmal getan hat. Die Giftblase, die die Banken selbst per Kredit-Eiter gefüllt haben, soll also jetzt vom Staat weiter geöffnet werden und der Eiter soll möglichst durch eine Steuerzahlermullbinde absorbiert werden. Bei der öffentlichen Diskussion ist es schon bemerkenswert, wie verhältnismäßig wenig die Ursachen dieser toxischen Papierschwemme thematisiert werden; stattdessen wird umso fleissiger an den Symptomen herumgedoktert. Mullbinde auf die Eiterblase drücken, aber bloß keine Heilsalbe. Zur Einrichtung von Bad Banks hat Weissgarnix passend kommentiert, dass die Gründung dieser Ablagehalden für die Gesamtlage wohl nicht viel bringen wird.

Wie ich bereits in meinen beiden vorangegangenen Einträgen zum Thema “Geldschöpfung” anklingen ließ, halte ich die Kreditgeldschöpfung durch private Geschäftsbanken für eine der Hauptursachen der momentanen Finanzkrise. Diese Geldschöpfungsmacht hat es den Banken erst ermöglicht, durch überbordende und laxe Kreditvergabe solch einen Haufen Schrottpapiere in der Welt zu verbreiten, die jetzt als leere Forderungen nichts mehr wert sind und nach dem Eimer verlangen.

Ein Lösungsansatz zur zukünftigen Prävention solcher Finanz- und Realwirtschaftskrisen ist die Abschaffung der Kreditgeldschöpfung durch Geschäftsbanken (Banken schaffen Giralgeld durch Kreditvergabe). Zu dieser Problematik haben die beiden Wirtschaftswissenschaftler Joseph Huber und James Robertson ein Buch mit dem Titel “Geldschöpfung in öffentlicher Hand” verfasst.

Darin prangern sie unser heutiges fraktionales Reservesystem als überholt und für Krisen verantwortlich an. Sie schlagen eine einfach durchzuführende zweiteilige Geldreform, die sogenannte VOLLGELDREFORM vor:

1. Die Zentralbanken werden wieder die einzigen Institutionen, die bares und unbares Geld schöpfen (erzeugen) können. Sie schöpfen es in dem Maße, in dem es für die Erhöhung der Geldmenge nötig ist und stellen es der öffentlichen Hand zur Verfügung.

2. Es ist nicht mehr möglich, Geld als gesetzliches Zahlungsmittel an anderer Stelle zu schöpfen. Den Geschäftsbanken wird die Möglichkeit entzogen, per Kreditvergabe neues unbares Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Die heutige Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken wäre Geldfälschung. Die Rolle der Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe wird darauf beschränkt, Darlehen auf Grundlage bereits vorhandenen Geldes zu vermitteln bzw. zu vergeben. Geld auf Girokonten und Bargeld sind beides gesetzliche Zahlungsmittel (Giralgeld ist heute kein gesetzliches Zahlungsmittel!).

Die Autoren sehen durch diese Reform das Vorrecht des Staates zur Emission von gesetzlichen Zahlungsmitteln wieder hergestellt, denn diese ist ihm durch das fraktionale Reservesystem entglitten: Heutzutage wird 95% des neu geschöpften Geldes nicht mehr in Form von staatlichem Geld (Scheine, Münzen) sondern von den Geschäftsbanken als Kreditgeld emittiert.

Huber und Robertson weisen darauf hin, dass im Zuge der Reform natürlich ein hohes Maß an Unabhängigkeit der Zentralbanken von den Regierungen nötig wäre, damit die rein staatliche Geldschöpfungsmacht nicht politisch missbraucht würde. Aber dieses Problem erscheint mir im Vergleich zur heutigen Geldschöpfungsmacht der Geschäftsbanken gering, denn die sind allein durch private Profitinteressen getrieben. Die Zentralbanken sollten im Zuge der Vollgeldreform im Gegenzug der Öffentlichkeit detailliert Rechenschaft über ihr Tun ablegen. Bei der Einrichtung von allein geschöpfungsbemächtigten Zentralbanken schließt sich der Kreis zur Forderung nach einer 4. Staatsgewalt, einer sogenannten Monetative, die neben Legislative, Exekutive und Judikative exisitieren würde. Die Existenz und Funktionsweise der Gerichte (Judikative) zeigt, dass solch eine Monetative funktionieren würde. Die Gerichte müssen zwar mit den vom Gesetzgeber erlassenen Gesetzen arbeiten, darin sind sie aber sehr unabhängig.

Die Schöpfung von Vollgeld durch die Zentralbank und die anschließende Bereitstellung des Geldes an die öffentliche Hand wäre so etwas wie ein „ewiger, zinsfreier Kredit“. Ein von den Autoren angeführtes Szenario wie das von der Zentralbank geschöpfte Geld der Öffentlichkeit zugeführt werden könnte, wäre beispielsweise ein Grundeinkommen für alle Bürger.

Die Vollgeldreform ermöglichte auch eine fundamentale Verbesserung in der geldpolitischen Steuerung. Im heutigen fraktionalen Reservesystem mit multipler Geldschöpfung durch Geschäftsbanken ist eine staatsgelenkte Geldmengensteuerung de facto unmöglich geworden. Die heutige indirekte Geldmengensteuerung, nämlich zu versuchen, über den Leitzins auf das Kreditvergabeaufkommen Einfluss zu nehmen, stellt sich zunehmend als unwirksam heraus. Dies kann man momentan daran erkennen, dass trotz Leitzinsen nahe Null eine Kreditklemme herrscht.

Die Autoren legen in ihrem Buch auch einen Umstellungsplan zur Umsetzung einer Vollgeldreform vor, der unser heutiges durch Kredit geschöpftes Giralgeld (z.B. das auf euren Girokonten) in Vollgeld umwandeln würde. Die Vollgeldreform würde schließlich auch die Wirtschaftszusammenhänge bzgl. der Geldmenge transparenter machen, schließlich gäbe es dann nur noch eine (Voll)-Geldmenge M im Gegendsatz zum heutigen verwirrenden Geldmengensystem (M1, M2, M3…). Unser heutiges Geldmengenmesssystem wird von den Autoren so kommentiert:

“Manchmal hat man den Eindruck, dass die heutigen Statistiken und Begriffe über Geld speziell dazu erfunden wurden, um die tatsächliche Funktionsweise des Geldsystems zu verschleiern. Der Öffentlichkeit und den Politikern von demokratisch regierten Ländern bleibt verborgen, dass eine stärkere Orientierung des Geldsystems auf das Gemeinwohl durchaus möglich wäre.“

Man kann nur hoffen, dass sich im Zusammenhang mit der Diskussion um Bad Banks und neuen IWF-Horrormeldungen die Probleme des Geldschöpfungsmechansimus in die öffentliche Diskussion vorarbeiten, denn sie sind es Wert beachtet zu werden. Eigentlich ist es sehr verwunderlich, dass die Kreditgeldschöpfung der Geschäftsbanken so aus dem öffentlichen Leben ausgeblendet ist, trotz ihrer Omnipräsenz.

Es bemerkte 1975 der US Ökonom John Kenneth Galbraith, (Ökonom und Präsidentenberater, *1908 †2006):

„Der Prozess, mit dem Banken Geld schöpfen, ist so einfach, dass sich der Verstand dagegen wehrt. Bei etwas so Wichtigem erwartet man eigentlich ein tieferes Mysterium.“

Vielleicht ist das Problem zu unkompliziert, damit sich sogenannte Wirtschaftsweise damit beschäftigen. ;-)

Verwandte Artikel: Die Macht der Geldschöpfung, Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken

21. Apr 2009 · Totontli · One Comment
Posted in: NON-BIRD

One Response

  1. Peter - 26. Apr 2009

    Danke für den Artikel und den Buchtipp, das ist definitiv auch was für mich. :-) Bleibt zu hoffen, dass sich tatsächlich mal was am Geldsystem ändert – solange die Profiteure (die Finanzwirtschaft/die Banken) so starken Einfluss auf die Politik hat wie derzeit, ist das wohl nur ein frommer Wunsch…

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