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Klaus Werner-Lobo: Uns gehört die Welt!

Klaus Werner-Lobo hat ein neues Buch geschrieben, das sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene richtet, aber auch für nicht mehr so junge Erwachsene sehr gut zu lesen ist. Das Thema des Buches ist im Untertitel präzisiert: Macht und Machenschaften der Multis. Werner-Lobo nimmt die Großkonzerne ins Visier und beleuchtet, wie sie sich denn abseits der täglichen Konsumspirale und des Werbebombardements verhalten. Wie ethisch handeln Großfirmen? Achten sie die Arbeitnehmerrechte? Auf welchen Wegen beschaffen sie sich ihre Rohstoffe? Fragen dieser Art wurden bereits im Vorgängerbuch „Schwarzbuch Markenfirmen“ ausgiebig beleuchtet und anhand eigener Recherchen von Werner-Lobo und Kollegen dem Leser näher gebracht. Ein größerer Teil des Schwarzbuchs ist eine Art Katalog der Markenfirmen, in welchem Infos über die Firmen und die Vorwürfe an sie aufgelistet sind. Diese Auflistung der schlimmsten Firmen wurde in „Uns gehört die Welt!“ wieder aufgegriffen, jedoch in einer etwas abgespeckten Form. Werner-Lobo scheint sich hier auf die bekanntesten und die bei jungen Menschen populärsten Firmen beschränkt zu haben. Darüberhinaus gibt es auch kurze Portraits der wichtigsten Akteure im Bereich globalisierte Weltwirtschaft, wie IWF, Weltbank, WHO, jeweils gut verdaulich auf einer Seite. Da ich das Vorgängerbuch bereits gelesen hatte, war mir einiges in „Uns gehört die Welt!“ schon bekannt, dennoch war es erfrischend, die Sachverhalte noch einmal neu formuliert zu lesen. Da der Autor sich gezielt an Jugendliche richtet, ist die Sprache stets angenehm klar und verständlich.

Letztlich münden die Berichte von Werner-Lobo über Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, Mißachtung von Grundrechten und Lobbyismus in eine Botschaft an die Leser, die vier Aufforderungen beinhaltet:

1. Lebt Eure Träume!

2. Informiert Euch und seid kritisch!

3. Zeigt Zivilcourage!

4. Handelt gemeinsam und habt Spaß dabei!

Besonders gut hat mir der Abschnitt zum Punkt 4. gefallen, in dem der Autor die jungen Menschen dazu aufruft, ob der frustrierenden Übermacht und Skrupellosigkeit einiger Konzerne nicht zu verzagen und trübsinnig zu werden. Er ermuntert sie, kreativ zu protestieren und gibt dazu einige Anregungen, die den Leser stellenweise durchaus schmunzeln lassen. Jener Abschnitt hat bei mir die Assoziation zu einem Wunsch von Prof. Bernd Senf geweckt, der sich anstatt gewaltsamer Proteste, eine Revolution des Lachens wünscht: also zum Beispiel anlässlich einer der nächsten Finanzkrisen-Hiobsbotschaft einfach herzugehen und die Verantwortlichen schallend auslachen. Sollte man wirklich mal machen.

Die Themen im Buch sind gut recherchiert, es gibt zahlreiche Links zum Weiterlesen und am Ende des Buchs stehen noch Literaturtipps. Ich würde das Buch als Einstieg in das Thema Konzernkritik und Probleme der Globalisierung auch Erwachsenen jederzeit empfehlen. Oft ist es vorteilhaft mit einem einfacheren Buch, das sich an Jugendliche richtet, zu beginnen, bevor man in das Studium hochkomplexer Fachbücher einsteigt.

Hier noch ein Clip des Autors zum Buch:

Wer sich für die Arbeit von Klaus Werner-Lobo interessiert: Er unterhält Webseiten zu diesem Buch, zum Schwarzbuch Markenfirmen und noch eine weitere persönliche Webseite und er twittert. Die Webseite zum Buch “Uns gehört die Welt!” lässt sich per Feed bequem verfolgen. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, Klaus Werner-Lobo ist auch Clown, demzufolge haben seine Buchpräsentationen einen ganz eigenen Touch.

4. Apr 2009 · Totontli · No Comments
Posted in: NON-BIRD