Immer mehr Leute hinterfragen unser Geldsystem
Es ist schon beeindruckend wie zur Zeit Initiativen von Bürgern aus dem Boden schießen, die sich grundlegenden Ursachen der momentanen Finanzkrise annehmen und konkrete Lösungen vorschlagen. Beispielhaft sei hier die Initiative per E-Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen genannt. Der Fokus geht bei etlichen Bürgerinitiativen nicht wie à la G20 auf die Steueroasen, nicht auf die Hedgefonds, nicht auf die Managergehälter, sondern auf die Probleme unseres Geldsystems.
Eine dieser Initiativen ist Global Change 2009. Ein ambitionierter Name, aber so what? Man muss sicher solch eine Sache positiv denkend und ehrgeizig angehen, sonst wird’s sowieso nichts. Die Personen hinter Global Change 2009 bezeichnen sich im Werbefilm als Ostdeutsche, die sich – stützend auf ihre Erfahrung mit der friedlichen Revolution 1989 – in der Lage sehen, eine weitere friedliche Revolution anzustoßen. Zentrales Werk der Gruppe Global Change 2009 ist ein ansprechender Animationsfilm, der die Probleme der momentanen Wirtschaftsordnung, im Film „Kapitalsozialismus“ genannt, zum Thema hat. Dieser Film wurde sogar am Rande des G20-Gipfels in London „uraufgeführt“.
Die Lösungsansätze von Global Change 2009 basieren hauptsächlich auf der Freiwirtschaftslehre, in der Geld per Umlaufsicherungsgebühr im Umlauf gehalten und vom Horten ferngehalten werden soll. Die Macher des Films haben bereits Erfahrung mit solchen Geldsystemen, sind sie doch an der Entwicklung von umlaufgesichertem Regiogeld beteiligt, nämlich dem Zschopautaler. Die Autoren des Films sehen ihre Vision für eine neue Wirtschaftsordnung als eine Kombination aus Adam Smith, einem Schuß Marx und noch mehr (ich nehme an, Silvio Gesell ist hier gemeint). Zitat von Global Change 2009: „So erreichen wir eine krisenfreie Marktwirtschaft in Frieden und Freiheit – mit wahrer Demokratie und gelebten moralischen Werten – viel mehr wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand und einem Konzept zum Erhalt unseres einzigartigen Biotops.“ Dabei träumen die Autoren von einer monopolfreien Marktwirtschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen, einem neuen goldenen Zeitalter. Ok, warum nicht, denn: “So many of our dreams at first seem impossible, then they seem improbable, and then, when we summon the will, they soon become inevitable.” Wer hätte denn schon 1988 gedacht, dass ein Jahr später das gesamte Herrschaftssystem des Ostblocks zusammenbricht.
Jetzt aber das Video, aus meiner Sicht sehenswert, ähnlicher Style wie das von Jarvis (Finanzkrisen scheinen coole Animationsfilmchen hervorzubringen):
Wer gefallen an den Ideen von Global Change 2009 findet, sollte sicherheitshalber schon mal einen Ausreiseantrag in eine bessere Welt an Angela Merkel richten.
Fehlt eigentlich nur noch, dass die Regierungen dieser Welt aus diesem reichhaltigen Pool an Ideen schöpfen, denn es gibt viel zu lernen. Aber ich vermute die Finanzlobby hat da was dagegen.
Verwandte Artikel: Silvio Gesell 1918, Wie kam es zur aktuellen Finanzkrise?
3. Apr 2009
Posted in: Basisdemokratie, Geldsystem, Wirtschaftskrise, Wirtschaftsordnung























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2 Responses
Ich denke es ist an der Zeit das wir anfangen, nicht mehr von der Wirtschafts- oder Finanz(markts)krise zu sprechen, sondern das Ding bei einem seiner wirklichen Namen zu nennen. Was hältst du z.B. von Geldkrise?
Eigentlich sollte es nicht so wichtig sein, wie man etwas nennt, aber es bei der momentanen Finanzkrise fällt einem auf, dass in der Öffentlichkeit kaum die Funktionsweise des Geldsystems thematisiert bzw. hinterfragt wird. Von daher stimme ich Dir zu: die Krise AUCH Geldkrise zu nennen, würde zumindest den Fokus der Leute darauf lenken, auch da mal nach Ursachen der Krise zu suchen. Vielleicht würde ich die Krise nicht Geldkrise nennen, sondern Geldsystemkrise, denn Geld an sich ist nicht in der Krise. Zur Zeit beschäftigen sich mit der Geldsystemkrise nur eine Reihe von Wissenschaftlern und Journalisten, aber zum Glück auch eine zunehmende Menge von „einfachen Bürgern“.
In der öffentlichen Diskussion wird aus meiner Sicht viel an den eigentlichen Usachen der Krise vorbeidiskutiert und es besteht kein Wille, die Sache grundlegend anzugehen. Dies hat sicher mit der Macht der Konzerne und der Verflechtung von Banken und Regierungen zu tun (siehe z.B. Finanzminister Paulson in der Bush-Regierung).
Aber zurück zum Thema der Ursachen: Unser Zinssystem z.B. hat ziemliche Macken, die wir momentan zu spüren bekommen. Durch den Zinseszinseffekt (der eine Exponentialfunktion ist) wachsen die Geldvermögen und die Verschuldung in beschleunigtem Maße und driften immer mehr auseinander. Dies führt zu einem immer größeren Druck zum Finden von neuen Schuldnern (siehe Immobilienmarkt USA, wo der ganze Spaß ja los ging). Prof. Bernd Senf, den ich hier als „Einstiegsdroge“ in die Thematik empfehlen würde, leitet daraus ab, dass dieses Auseinanderdriften von Schulden und Vermögen eine zunehmende Spannung in die Gesellschaft bringt, die sich entladen MUSS. Entweder durch Geldentwertung oder früher war es oft Krieg (bleibt uns dieses mal hoffentlich erspart).
Man kann nur hoffen, dass per Internet und Mundpropaganda diese Thematik/Problematik „Wirtschaftskrise ist auch oder sogar vor allem eine Geldsystemkrise“ immer weiter rumspricht.
Leseempfehlung noch dazu Prof. Senf. Im Tagesspiegel.
Das eigentliche Drama ist, dass der Masse der Bürger die Zusammenhänge in der Wirtschaft absolut unklar sind. Gerade das Geld wird wie etwas Gottgegebenes empfunden und die Vielzahl der Menschen fühlt sich absolut ohnmächtig bei dem Thema. Was ich teilweise auch verstehen kann, denn um Zugang und Verständnis zu erlangen, muss man viel lesen und anschauen. Dazu ist es aus meiner Sicht wichtig, Leute behutsam aufzuklären und sachte an das Thema heranzuführen. Filme wie “Fabian-Warum überall Geld fehlt” leisten da große Einstiegshilfe. Auch die Vorträge von Bernd Senf sind zu empfehlen, erfordern aber halt Wille zum Verstehen, Geduld und Sitzfleisch.
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