Archive for 27. Apr 2009

Fabian – Warum überall Geld fehlt

Ich mag´s wenn Sachen verständlich und von Grund auf erklärt werden, so auf Sendung-mit-der-Maus-Niveau. Im Bezug auf die Funktionsweise von Geld und Banken ist der Film “Fabian – Warum überall Geld fehlt” von der Initiative Neue Impulse e.V. exzellent. Anschaulich wird anhand der Figur des Goldschmieds Fabian die Einführung des Geldes, des Zinses und des fraktionalen Reservesystems erklärt. Die Goldschmiede waren einst die Urväter des Bankenwesen. Sicherlich ist unser heutiges Geldsystem und unsere Wirtschaftsordnung viel, viel komplizierter, aber wie soll man diese verstehen, wenn man nicht einmal die Grundlagen kapiert? Zu solch einem Verständnis leistet der Film einen großen Beitrag. Man versteht plötzlich, warum sich auch heute die Banken noch so sehr vor einem Bank Run fürchten und Frau Merkel Ende letzten Jahres so schnell mit ihrer Garantie für die Spareinlagen zur Hand war, denn die Banken haben das Geld gar nicht, was auf unseren Konten angezeigt wird.

Hier der Film:

Man kann den Film auch in höherer Qualität direkt bei den Machern ansehen. Der Text des Films ist auf deutsch, spanisch, türkisch und lettisch(!) per pdf-Download verfügbar.

Viel Spaß beim Schauen und Lesen!

Frank Meyer von n-tv Telebörse scheint auch vom Filmchen begeistert zu sein und hat ihn auf seinem Blog verlinkt.

Verwandter Artikel: Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken

27. Apr 2009 · Totontli · 2 Comments
Posted in: NON-BIRD

Der reiche Russe im Hotel

Ich habe im Netz folgende Geschichte aufgeschnappt, die den Geist zum Thema Wirtschaftskreislauf und fließendes Geld anregen kann:

“Es ist September, eine kleine Stadt an der Riviera, aber es regnet, also ist die Stadt leer. Alle haben Schulden und leben auf Kredit. Zum Glück kommt in eines der Hotels ein reicher Russe. Er will ein Zimmer und legt 100 Euro auf den Tisch, danach geht er sich das Zimmer anschauen. Der Hoteldirektor nimmt die Banknote und läuft schnell aus dem Hotel, um seine Schulden bei dem Fleischlieferanten zu regulieren. Dieser nimmt die Banknote und läuft schnell zum Schweinezüchter, um dort seine Schulden zu regulieren. Dieser nimmt die 100 Euro und läuft schnell, um beim Futterlieferanten seine Schulden zu annulieren. Dieser nimmt mit grosser Freude das Geld entgegen und gibt es der Hure, die er kürzlich besucht hat und bei der er die Dienstleistung auf Kredit genommen hatte (Es herrscht schließlich Krise!). Die Hure nimmt das Geld und läuft schnell zu besagtem Hotel, um ihre Schulden beim Hotelchef zu regulieren, wo sie auch letztens war und das Zimmer auf Kredit genommen hatte… Und in derselben Minute kommt der Russe vom Zimmer zurück und sagt, dass ihm das Zimmer nicht gefalle. Er nimmt seine 100 Euro zurück und verlässt die Stadt.”

Niemand hat verdient, aber die verschuldeten Stadtbewohner haben keine Schulden mehr und schauen optimistisch in die Zukunft!

Verwandter Artikel: Der mexikanische Fischer und der Investmentbanker

25. Apr 2009 · Totontli · No Comments
Posted in: NON-BIRD

Geldschöpfung in öffentliche Hand statt Bad Bank

Jetzt wird also herumgehektikt und -gepanikt, dass ohne schnelle Schaffung von Bad Banks zur Auslagerung von “toxischen und faulen Papieren” keine Konjunkturerholung möglich sei. Müll sucht Eimer! Aber schnell!

Die Ausmaße des gefährlichen Papierramsches werden uns häppchenweise aufgetischt, wie es der IWF heute wieder einmal getan hat. Die Giftblase, die die Banken selbst per Kredit-Eiter gefüllt haben, soll also jetzt vom Staat weiter geöffnet werden und der Eiter soll möglichst durch eine Steuerzahlermullbinde absorbiert werden. Bei der öffentlichen Diskussion ist es schon bemerkenswert, wie verhältnismäßig wenig die Ursachen dieser toxischen Papierschwemme thematisiert werden; stattdessen wird umso fleissiger an den Symptomen herumgedoktert. Mullbinde auf die Eiterblase drücken, aber bloß keine Heilsalbe. Zur Einrichtung von Bad Banks hat Weissgarnix passend kommentiert, dass die Gründung dieser Ablagehalden für die Gesamtlage wohl nicht viel bringen wird.

Wie ich bereits in meinen beiden vorangegangenen Einträgen zum Thema “Geldschöpfung” anklingen ließ, halte ich die Kreditgeldschöpfung durch private Geschäftsbanken für eine der Hauptursachen der momentanen Finanzkrise. Diese Geldschöpfungsmacht hat es den Banken erst ermöglicht, durch überbordende und laxe Kreditvergabe solch einen Haufen Schrottpapiere in der Welt zu verbreiten, die jetzt als leere Forderungen nichts mehr wert sind und nach dem Eimer verlangen.

Ein Lösungsansatz zur zukünftigen Prävention solcher Finanz- und Realwirtschaftskrisen ist die Abschaffung der Kreditgeldschöpfung durch Geschäftsbanken (Banken schaffen Giralgeld durch Kreditvergabe). Zu dieser Problematik haben die beiden Wirtschaftswissenschaftler Joseph Huber und James Robertson ein Buch mit dem Titel “Geldschöpfung in öffentlicher Hand” verfasst.

Darin prangern sie unser heutiges fraktionales Reservesystem als überholt und für Krisen verantwortlich an. Sie schlagen eine einfach durchzuführende zweiteilige Geldreform, die sogenannte VOLLGELDREFORM vor:

1. Die Zentralbanken werden wieder die einzigen Institutionen, die bares und unbares Geld schöpfen (erzeugen) können. Sie schöpfen es in dem Maße, in dem es für die Erhöhung der Geldmenge nötig ist und stellen es der öffentlichen Hand zur Verfügung.

2. Es ist nicht mehr möglich, Geld als gesetzliches Zahlungsmittel an anderer Stelle zu schöpfen. Den Geschäftsbanken wird die Möglichkeit entzogen, per Kreditvergabe neues unbares Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Die heutige Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken wäre Geldfälschung. Die Rolle der Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe wird darauf beschränkt, Darlehen auf Grundlage bereits vorhandenen Geldes zu vermitteln bzw. zu vergeben. Geld auf Girokonten und Bargeld sind beides gesetzliche Zahlungsmittel (Giralgeld ist heute kein gesetzliches Zahlungsmittel!).

Die Autoren sehen durch diese Reform das Vorrecht des Staates zur Emission von gesetzlichen Zahlungsmitteln wieder hergestellt, denn diese ist ihm durch das fraktionale Reservesystem entglitten: Heutzutage wird 95% des neu geschöpften Geldes nicht mehr in Form von staatlichem Geld (Scheine, Münzen) sondern von den Geschäftsbanken als Kreditgeld emittiert.

Huber und Robertson weisen darauf hin, dass im Zuge der Reform natürlich ein hohes Maß an Unabhängigkeit der Zentralbanken von den Regierungen nötig wäre, damit die rein staatliche Geldschöpfungsmacht nicht politisch missbraucht würde. Aber dieses Problem erscheint mir im Vergleich zur heutigen Geldschöpfungsmacht der Geschäftsbanken gering, denn die sind allein durch private Profitinteressen getrieben. Die Zentralbanken sollten im Zuge der Vollgeldreform im Gegenzug der Öffentlichkeit detailliert Rechenschaft über ihr Tun ablegen. Bei der Einrichtung von allein geschöpfungsbemächtigten Zentralbanken schließt sich der Kreis zur Forderung nach einer 4. Staatsgewalt, einer sogenannten Monetative, die neben Legislative, Exekutive und Judikative exisitieren würde. Die Existenz und Funktionsweise der Gerichte (Judikative) zeigt, dass solch eine Monetative funktionieren würde. Die Gerichte müssen zwar mit den vom Gesetzgeber erlassenen Gesetzen arbeiten, darin sind sie aber sehr unabhängig.

Die Schöpfung von Vollgeld durch die Zentralbank und die anschließende Bereitstellung des Geldes an die öffentliche Hand wäre so etwas wie ein „ewiger, zinsfreier Kredit“. Ein von den Autoren angeführtes Szenario wie das von der Zentralbank geschöpfte Geld der Öffentlichkeit zugeführt werden könnte, wäre beispielsweise ein Grundeinkommen für alle Bürger.

Die Vollgeldreform ermöglichte auch eine fundamentale Verbesserung in der geldpolitischen Steuerung. Im heutigen fraktionalen Reservesystem mit multipler Geldschöpfung durch Geschäftsbanken ist eine staatsgelenkte Geldmengensteuerung de facto unmöglich geworden. Die heutige indirekte Geldmengensteuerung, nämlich zu versuchen, über den Leitzins auf das Kreditvergabeaufkommen Einfluss zu nehmen, stellt sich zunehmend als unwirksam heraus. Dies kann man momentan daran erkennen, dass trotz Leitzinsen nahe Null eine Kreditklemme herrscht.

Die Autoren legen in ihrem Buch auch einen Umstellungsplan zur Umsetzung einer Vollgeldreform vor, der unser heutiges durch Kredit geschöpftes Giralgeld (z.B. das auf euren Girokonten) in Vollgeld umwandeln würde. Die Vollgeldreform würde schließlich auch die Wirtschaftszusammenhänge bzgl. der Geldmenge transparenter machen, schließlich gäbe es dann nur noch eine (Voll)-Geldmenge M im Gegendsatz zum heutigen verwirrenden Geldmengensystem (M1, M2, M3…). Unser heutiges Geldmengenmesssystem wird von den Autoren so kommentiert:

“Manchmal hat man den Eindruck, dass die heutigen Statistiken und Begriffe über Geld speziell dazu erfunden wurden, um die tatsächliche Funktionsweise des Geldsystems zu verschleiern. Der Öffentlichkeit und den Politikern von demokratisch regierten Ländern bleibt verborgen, dass eine stärkere Orientierung des Geldsystems auf das Gemeinwohl durchaus möglich wäre.“

Man kann nur hoffen, dass sich im Zusammenhang mit der Diskussion um Bad Banks und neuen IWF-Horrormeldungen die Probleme des Geldschöpfungsmechansimus in die öffentliche Diskussion vorarbeiten, denn sie sind es Wert beachtet zu werden. Eigentlich ist es sehr verwunderlich, dass die Kreditgeldschöpfung der Geschäftsbanken so aus dem öffentlichen Leben ausgeblendet ist, trotz ihrer Omnipräsenz.

Es bemerkte 1975 der US Ökonom John Kenneth Galbraith, (Ökonom und Präsidentenberater, *1908 †2006):

„Der Prozess, mit dem Banken Geld schöpfen, ist so einfach, dass sich der Verstand dagegen wehrt. Bei etwas so Wichtigem erwartet man eigentlich ein tieferes Mysterium.“

Vielleicht ist das Problem zu unkompliziert, damit sich sogenannte Wirtschaftsweise damit beschäftigen. ;-)

Verwandte Artikel: Die Macht der Geldschöpfung, Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken

21. Apr 2009 · Totontli · One Comment
Posted in: NON-BIRD

Noch ein Tänzer

Weiße Kakadus scheinen talentierte Tänzer zu sein. Nach Ray Charles jetzt die Backstreet Boys (Danke Funkroboter!). Here we go:

19. Apr 2009 · Totontli · One Comment
Posted in: Sonstiges (Vögel)

Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken

Was denn jetzt: Inflation, Deflation, gar Disinflation? Zur Zeit wird zu viel herumorakelt, ob denn jetzt die Preise bald steigen oder bereits fallen, wie es in den USA jetzt der Fall zu sein scheint. Abwarten und Tee trinken, lasst sie oraklen.

Hier lieber etwas, was wohl jeder versteht: Wie entstehen denn Preise? Es hängt von Angebot und Nachfrage und Geldmenge ab, ob Preise steigen oder fallen. Nehmen wir eine gleichbleibende Nachfrage an: Steht eine große Menge Geld wenigen Gütern gegenüber, dann gibt’s große Preise für die Güter. Und steht eine kleine Menge Geld einer großen Menge Gütern gegenüber, dann gibt’s kleine Preise für die Güter. Ergo: Die Geldmenge in einer Wirtschaft spielt eine große Rolle bei der Preisbildung.

Hiermit wären wir beim Thema des Artikels. Was bestimmt die Geldmenge in einem Wirtschaftsraum? Oder anders gefragt:

Wie entsteht Geld?

Als standardinformierter Normalbürger denkt man: Die Zentralbank druckt das und gibt es aus bzw. die Zentralbank überweist es auf die Konten der Geschäftsbanken, wenn sie das Geld bei der Zentralbank leihen und die Geschäftsbanken verleihen es dann weiter. So ist das wohl.

Stimmt schon, aber das mit der Zentralbank ist nicht die ganze Geschichte. Heute sind in großem Maße auch die privaten Geschäftsbanken an der Schaffung von Geld, der sogenannten Geldschöpfung beteiligt. Wie funktioniert denn das?

Wenn z.B. eine Person oder ein Unternehmen einen Kredit bei der Geschäftsbank nachfragt, dann tippt die Bank die ausgeliehene Summe einfach auf das Girokonto des Kreditnehmers, schwupps da ist es und schon ist eine gewisse Summe neues Giralgeld entstanden. Früher nannte man das Giralgeld auch noch häufiger Buchgeld, denn es wurde noch in Bücher eingetragen. Wie auch immer, Giral- oder Buchgeld, beides ist virtuelles Geld und kein Bargeld. Dieses Giralgeld nennt man auch Kreditgeld, da es nur durch Kredit entsteht (Geldschöpfungsschritt) und durch seine Rückzahlung (Geldvernichtungsschritt) wieder verschwindet. Auch wird dieses Geld in englisch „Fiat Money“ genannt (von lateinisch “fiat lux” = “Es werde Licht” (hier also: “Es werde Geld”)). Dieses Giralgeld ist übrigens kein(!) gesetzliches Zahlungsmittel sondern nur eine numerische Forderung auf Bargeld. Man kann es jederzeit in „echtes“ Geld, also Bargeld, umwandeln, z.B. durch Abheben am Geldautomaten. Jedoch verliert Bargeld zunehmend an Bedeutung wie wir aus dem Alltag wissen. Also ist auch all das Geld, was als Zahl auf eurem Girokonto erscheint, kein gesetzliches Zahlungsmittel, obwohl wir per Überweisung damit ständig bezahlen.

Limitiert wird die Giralgeldschöpfung der privaten Geschäftsbanken durch die sogenannte Mindestreserveverpflichtung der Geschäftsbanken; die Geschäftbanken in der EU müssen einen sogenannten Mindestreservesatz von 2% Zentralbankguthaben („echtes Geld“ = „gesetzliches Zahlungsmittel“) einhalten. Dies bedeutet Geschäftsbanken können also „nur“ das 50fache ihrer Zentralbankgeldguthaben als Giralgeld in Form von Krediten schöpfen. Wieviel von diesem geschöpften Giralgeld gibt es wirklich in Relation zum normalen Bargeld? Momentan (Stand: 5. März 2009) sind in der Eurozone 729 Mrd. Euro Bargeld im Umlauf und Giralgeld gibt es die 11-fache Menge, also 8,6 Billionen Euro (Quelle).
Zur Vertiefung des Wissens über unser Geldsystem sei hier die recht lesenswerte Broschüre der Bundesbank (pdf) empfohlen. Sie ist als Lernmaterial konzipiert, also verhältnismäßig verständlich geschrieben (siehe z.B. S. 36 für „Giralgeld ist kein gesetzliches Zahlungsmittel“).

Diese Art der Geldschöpfung aus dem Nichts, eben die Giralgeldschöpfung durch die privaten Geschäftsbanken, ist beispielsweise in den USA während des Immobilienbooms völlig aus dem Ruder gelaufen als Leuten Kredite angedreht wurden, die eigentlich überhaupt nicht kreditwürdig waren, also keinerlei Sicherheiten vorzuweisen hatten. Trotzdem haben die Banken massiv Giralgeld geschöpft und an die Kreditnehmer ausgeteilt. Und nun sitzen die Banken auf vielen faulen Krediten, die nicht mehr bedient werden können und wo keine ausreichenden Sachsicherheiten mehr abzugreifen sind. Auch deshalb gibt’s jetzt die große Finanzkrise, die mittlerweile immer stärker die Realwirtschaft erfasst. Gut dass der Staat (=Steuerzahler) da jetzt aushilft und die Banken rettet. :-(

Es gibt im übrigen einige Kritiker, die diesen Mechanismus der Giralgeldschöpfung durch private Geschäftsbanken verurteilen. Diese Kritik reicht mindestens bis zur letzten Wirtschaftskrise der 1930er Jahre zurück, wo einer der Hauptkritiker der US-amerikanische Ökonom Irving Fisher war, der ein 100% durch Zentralbankgeld gedecktes Geldsystem gefordert hat, um solche verhehrenden verheerenden Krisen zu vermeiden. Heute sind die Kritiker beispielsweise Joseph Huber & James Robertson, die fordern, dass Geldschöpfung in öffentliche Hand gehört und nicht in die Hand der Privatbanken. Ein weiterer Kritiker ist Wirtschaftsprofessor Bernd Senf, der sich in einem Interview des Tagesspiegels wie folgt geäußert hat:

„Die privaten Geschäftsbanken schöpfen Geld aus dem Nichts und bringen es als Kredit in Umlauf. Dadurch wird es eine sehr reale Forderung gegenüber Schuldnern, und diese Schuldner müssen dann für dieses Geld auch noch Zinsen zahlen und den Kredit tilgen. Wenn sie das nicht schaffen, dann hat die Bank Zugriff auf deren Eigentum. Das ist eigentlich ungeheuerlich. Auf diese Problematik hatte schon Irving Fisher in den 30er Jahren hingewiesen und ein Giralgeld gefordert, das zu 100 Prozent durch Bargeld gedeckt sein muss.“

Eine Kritik, die eigentlich jedem intuitiv einleuchtet: Die Bank schafft etwas, was sie nicht hat, verleiht es, und fordert dafür mehr zurück: Kreditzurückzahlung + Zinsen. Oder wenn Tilgung + Zinsen nicht mehr bedient werden können, fordert die Bank das Eigentum des Kreditnehmers ein.

Verwandte Artikel: Die Macht der Geldschöpfung, Geldschöpfung in öffentliche Hand statt Bad Bank

16. Apr 2009 · Totontli · 4 Comments
Posted in: NON-BIRD

Das Wunder von Wörgl (Freigeldexperiment)

Auch während der letzten großen Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre gab es lokale Initiativen von Bürgern, die eine Lösung oder zumindest eine Linderung der Krise zum Ziel hatten. Eine dieser Initiativen, die auch heute noch für zahlreiche Diskussionen sorgt, ist das sogenannte „Wunder von Wörgl“ bzw. das „Freigeldexperiment von Wörgl“, das zwischen Sommer 1932 und Sommer 1933 eben in Wörgl in Tirol, Österreich stattfand.

Der wirtschaftliche Einbruch während der damaligen Krise ist dem heutigen durchaus vergleichbar: So sank beispielsweise der Welthandel zwischen 1929 und 1933 um 60% und der internationale Fluss an Finanzkapital ging zwischen 1927 und 1933 gar um 90% zurück. Eine der gravierendsten Folgen damals war die aufkommende Massenarbeitslosigkeit, die auch vor der Gemeinde Wörgl nicht Halt machte (Arbeitslosenrate Österreich 1932: 24,7%). Auch waren immer mehr Gemeindemitglieder Wörgls nicht mehr in der Lage ihre Gemeindesteuern zu zahlen, woraufhin die Gemeinde vor der Zahlungsunfähigkeit stand.

Der damalige Bürgermeister von Wörgl Michael Unterguggenberger (*1884 †1936) suchte nach Lösungen und entschied sich, die Initiative für ein Geldsystemexperiment zu ergreifen. Theoretische Grundlage des Experiments war die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell, im speziellen ein umlaufgesichertes Geld. Die Grundbeobachtung Unterguggenbergers in seiner Gemeinde, die ihn zum Experiment bewog, war die geringe Umlaufgeschwindigkeit des Geldes während der deflationären Zeit. Die Gemeindemitglieder hielten ihr Geld lieber zurück als es für Waren und Dienstleistungen auszugeben. Dies sollte sich laut Unterguggenberger dadurch ändern, indem lokales Geld (sog. „Arbeitsbestätigungsscheine“ oder „AB-Scheine“) in der Gemeinde zur Verwendung angeboten würde, das durch eine Umlaufsicherungsgebühr stetig an Wert verlöre. Somit würden die Halter dieses Geldes dazu ermutigt, es zirkulieren zu lassen, denn Halten des Geldes bedeutete Wertverlust, und zwar pro Monat 1%. Praktisch wurde das Konzept so umgesetzt, dass jeden Monat Wertmarken im Wert von 1% des Scheines aufgeklebt werden mussten, damit der Schein seine Gültigkeit behielt (siehe Bild).

Schließlich wurde in Wörgl die Durchführung des Geldexperiments beschlossen und Unterguggenberger äußerte sich am 5. Juli 1932 beim entsprechenden Gemeindebeschluss wie folgt:

„Langsamer Geldumlauf ist die Hauptursache der bestehenden Wirtschaftslähmung. Das Geld als Tauschmittel entgleitet immer mehr den Händen der schaffenden Menschen. Es versickert in den Zinskanälen und sammelt sich in den Händen weniger Menschen, die das Geld nicht mehr dem Warenmarkt zuführen, sondern als Spekulationsmittel zurückhalten.“

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass Unterguggenberger das Freigeld auf freiwilliger Basis parallel zum bestehenden österreichischen Schilling einführte; lediglich Gemeindeangestellte wurden anfangs zu 50% und später zu 75% in AB-Scheinen bezahlt. Darüber hinaus gab es noch ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für die vielen Arbeitslosen, sie wurden komplett in AB-Scheinen bezahlt. Die Initiative von Unterguggenberger fand in der Gemeinde großen Anklang und alle Gewerbetreibenden im Ort nahmen die AB-Scheine an. Nach kurzer Zeit zeigte sich die positive Wirkung des Geldexperiments in Wörgl. Die Geldumlaufgeschwindigkeit war sehr hoch, es fanden Investitionen in die Infrastruktur der Gemeinde statt und die Arbeitslosigkeit fiel um ca. 14% während sie in Österreich im Vergleichszeitraum (Sommer 1932 – Sommer 1933) um 19% anstieg. Das Wörgler Freigeldexperiments erhielt demzufolge einige Resonanz in der internationalen Presse, Unterguggenberger war öfter auf internationalen Vortragsreisen, sogar der damalige französische Ministerpräsident Daladier besuchte 1933 Wörgl wegen des Freigeldexperiments. Immer mehr Gemeinden wurden auf Wörgl aufmerksam und bereiteten die Einführung von umlaufgesichertem Geld vor.


Schließlich kam aber das jähe Ende des Wunders von Wörgl. Bereits im Januar 1933 erging ein Untersagungsbescheid der österreichischen Autoritäten an die Gemeinde Wörgl, das Freigeldexperiment einzustellen. Dabei wurde die Verletzung des Geldausgabemonopols der österreichischen Nationalbank zur Begründung herangezogen. Die Gemeinde Wörgl ging noch gegen den Bescheid in Berufung, war damit aber nicht erfolgreich. Bis Mitte 1933 wurde in Wörgl noch die Verwendung von AB-Scheinen illegal weiter betrieben bis die Staatsmacht unter Androhung von Gewalt das Wunder von Wörgl am 15. September 1933 beendete. Die Schweiz untersagte Unterguggenberger im September 1933 sogar die Einreise; scheinbar hatte die schweizer Regierung Angst, dass das Wörgler Beispiel das Monopol der Schweizer Notenbank untergraben könne.

Nach Verbot des Freigeldexperiments fasste Unterguggenberger seine Aktion wie folgt zusammen:

„Daß mir die Geschichte hier verboten werden würde, das hab ich vorausgesehen! Ich hab´s aber gemacht, weil ich der Welt ein Zeichen geben wollte, daß es möglich sei! Mir und der Welt hab ich es bewiesen! Jetzt muß diese Erkenntnis langsam in den Köpfen der Menschen reifen! Die Einführung der Eisenbahn hat man ja am Anfang auch erst verbieten wollen.“

Auch heute noch bewegt das Wunder von Wörgl viele Menschen, die sich mit alternativen Geldsystemen beschäftigen. In der Gemeinde Wörgl selbst kam es 2003 zur Gründung des Unterguggenberger-Instituts, welches sich der Dokumentation des Wörgler Freigeldexperiments verschrieben hat und Informationen über aktuelle Komplementärwährungsprojekte sammelt. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass das Wörgler Freigeldexperiment viele heute existierende Regiogeldinitiativen in Deutschland, der Schweiz und Österreich inspiriert hat.

Die Geschichte zum Freigeldexperiment von Wörgl wurde inzwischen unter dem Titel „Der Schatz von Wörgl“ als Comic herausgebracht; realisiert wurde dieser von Andreas Wehrheim der Dresdner Comicbrigade. Vielleicht sieht man dazu ja mal eine Rezension auf einem der Comicportale, z.B. auf Comicgate.

Als Hauptquelle dieses Artikels diente das Buch „Der Welt ein Zeichen geben -
Das Freigeldexperiment von Wörgl 1932/33“ von Gebhard Ottacher
, das hiermit ausdrücklich empfohlen sei.

13. Apr 2009 · Totontli · 2 Comments
Posted in: NON-BIRD

Vortrag: Der gekaufte Staat (Sascha Adamek)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Forum für Demokratie” der Münchner Volkshochschule war am 30.03.2009 der Journalist (u.a. Monitor) und Buchautor Sascha Adamek zu Gast. Zusammen mit Kim Otto hat er 2008 das Buch “Der gekaufte Staat” veröffentlicht. Unter diesem Titel stand auch der Abend im sehr gut gefüllten Veranstaltungssaal der Bibliothek im Gasteig.

In Adameks Buch geht es um Lobbyismus. Und zwar nicht den Lobbyismus der klassischen Form, bei dem Interessenverbände politische Entscheidungen und Gesetzgebungen durch gezielte Informationspolitik gegenüber Abgeordneten oder Medien zu beeinflussen versuchen, sondern den von Adamek so genannten Inside-Lobbyismus. Während die klassischen Lobbyisten von ihren Auftraggebern bezahlt werden und ihre eigenen Büros haben, sitzen die Inside-Lobbyisten, oder “Leihbeamten”, wie sie von den Autoren getauft wurden, als Mitarbeiter in Ministerien, werden aber weiterhin von ihrem Arbeitgeber bezahlt und arbeiten direkt an Gesetzestexten mit.

Klingt unglaublich, ist aber so. Im einem Land, in dem laut Grundgesetz die Gewaltenteilung gilt und Gesetze von unabhängigen Volksvertretern in Bundestag und Bundesrat gemacht werden sollten, saßen und sitzen immer noch Vertreter großer Industrieunternehmen und schreiben an Gesetzen mit, die sie direkt betreffen.

Beispiele gefällig?

Ein ranghoher Manager der Fraport AG, die den Frankfurter Flughafen betreibt, arbeitete von 2001-2006 im Verkehrsministerium, wo er u.a. an einem Gesetz zum bundesweiten Lärmschutz und Nachtflugverbot mitarbeitete, welches im Endergebnis so gestaltet wurde, dass es erst ein Jahr nach dem die Fraport AG einen größeren Flughafenausbau fertiggestellt haben wird in Kraft tritt und somit der Fraport AG erhebliche Kosten erspart.

Im Finanzministerium arbeitete 2003 eine Juristin in Diensten des BVI, der Interessengemeinschaft der deutschen Investmentgesellschaften, an dem Gesetz mit, welches die später unter dem Münteferingschen Begriff “Heuschrecken” bekannt gewordenen Hedgefonds in Deutschland erst erlaubte.

Politische Ironie, dass eben jener Müntefering innerhalb der rot-grünen Bundesregierung 2004 das “Personalaustauschprogramm Öffentliche Verwaltung und private Wirtschaft” [PDF], welches den ganzen Schlamassel verursachte, mit zu verantworten hatte. Das Programm wurde initiiert vom damaligen Innenminister Otto Schily und dem Deutsche Bank Personalvorstand Tessen von Heydebreck und sollte zum Erfahrungsaustausch zwischen beiden Bereichen dienen. Laut Adamek liegt die momentane Austauschquote bei ca. 20 Beamten, die in die private Wirtschaft schnupperten, zu mehreren hundert Wirtschaftsvertretern, die sich ein Ministerium teilweise über mehrere Jahre von Innen anschauten, während sie sich weiterhin von ihrem Arbeitgeber bezahlen ließen. Ein recht einseitiger Austausch also.

Nach Adameks Vortrag entspann sich im größtenteils älteren Publikum noch eine angeregte Diskussions- und Fragerunde, bei der die Beiträge zwischen Verständnis, Fassungslosigkeit und Wut schwankten, sie aber größtenteils sachlich und unpolemisch blieben.

Es wurde die Frage nach der Verantwortung der Medien gestellt und wie beeinflussbar diese eigentlich seien. Adamek berichtete aus eigener Erfahrung, dass er bei seiner Arbeit für Monitor noch nie in irgendeiner Weise beeinflusst wurde und wies darauf hin, dass kein einziger Monitor-Mitarbeiter, anders als in vergangenen Jahrzehnten, ein Parteibuch habe. Gleiches gelte seiner Erfahrung nach für andere politische Magazine der Öffentlich Rechtlichen. Kritisch sah er allerdings die weiter voranschreitende Anbiederung des öffentlich rechtlichen Rundfunks an die seichten Inhalte der Privatkonkurrenz. Dies führe dazu, dass politischen Informationssendungen immer mehr Sendezeit gekappt wird, was dann wiederum zu einem qualitativen Verlust dieser Sendungen führt. Kritisch wurde auch angemerkt, dass in großen politischen Talkshows Teilnehmer als Fachexperten bezeichnet werden ohne darauf hinzuweisen, dass sie beispielsweise für die neoliberale “Initiative neue soziale Marktwirtschaft” (INSM) arbeiten und deren Interessen vertreten.

Ein weiterer Punkt, der angesprochen wurde, waren die “Public Private Partnerships“, bei denen die öffentliche Hand bisher staatliche Aufgaben an private Unternehmen abgibt. Hier kauft sich der Staat, ähnlich wie bei den Leihbeamten, externe Expertise einfach ein, ohne die Folgen zu bedenken, was z.B. passiert, wenn die Baugesellschaft, die für den Betrieb eines Rathauses zuständig ist, pleite geht oder ihre Versprechungen nicht mehr einhalten kann.

Ein anwesender Ministerialbeamter a.D. entkräftete einen Einwand, dass das Know-How, welches die Leihbeamten einbringen durchaus von Nutzen sein könne damit, dass es für an der Gesetzgebung mitarbeitende Beamte schon immer die Möglichkeit gab und gibt sich externen Rat zu holen. Sei es über den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages oder andere unabhängige, nicht auf der Gehaltsliste eines Konzerns stehende externe Berater.

Nach zwei Stunden endete ein kurzweiliger, sehr interessanter Abend zu einem Thema, dem man gerne wesentlich mehr mediale Aufmerksamkeit wünschen würde, da es sich leider immer noch nicht erledigt hat. Etwas schade fand ich den recht hohen Altersdurchschnitt im Auditorium. Hier trafen wohl mangelndes politisches Interesse der jüngeren Genration und das verstaubte Image der veranstaltenden Volkshochschulen aufeinander.

Sehr detaillierte und akribisch gesammelte Informationen zu den Leihbeamten findet man in der Wikipedia und v.a. auf Keine-Lobbyisten-in-Ministerien.de der Initiative LobbyControl.

Am 23. April findet im Rahmen des Demokratieforums eine Podiumsdiskussion “Anne Will & Co – Talkshows als Bühne der Politik” mit Cathrin Kallweit (ehemalige Redaktionsleiterin Anne Will) und Ralf Bremer (CvD Maybrit Illner) statt.

Dieser Blogeintrag ist ein Gastbeitrag von Heiko von Familyvalues.

_____________________
Update 16.04.2009: Die Arbeit von LobbyControl zeigt Wirkung; es bleibt aber immer noch viel zu tun.

Verwandter Artikel: LobbyPlanet Berlin

8. Apr 2009 · Hike · No Comments
Posted in: NON-BIRD

Goldwaldsänger – Yellow Warbler

Der Goldwaldsänger ist ein intensiv gelb gefärbter in Nord- und Mittelamerika weit verbreiteter Singvogel der Familie der Waldsänger. Die Arten in der Waldsängerfamilie kommen ausschließlich in der Neuen Welt vor. Bei den Birdern in Point Pelee (ich berichtete) in Ontario, Kanada ist das „Sammeln“ von Warblern (Waldsängern) ein besonderer Sport. Wer mehr Arten von Warblern sieht, der hat die Birder-Nase vorn. Schließlich gilt Point Pelee als Warbler Capital of North America. So wurden in Point Pelee während der Frühjahrsmigration 1979 sage und schreibe 39 Waldsängerarten gesehen. Beim Besuch von Point Pelee “sammelt” man den Goldwaldsänger dabei relativ schnell, was sicher auch an der auffälligen gelben Färbung und nicht nur an der Häufigkeit liegt. Dies war zumindest mein Eindruck, denn warblermäßig habe ich davon in Point Pelee am meisten gesehen. Aber einmal entdeckt, ist der Goldwaldsänger dann nicht so leicht mit dem Fernglas zu beobachten, da er sehr agil ist, ständig herumhüpft und kurze Flüge unternimmt. Oft hält er sich dabei noch in engem Buschwerk auf, was die Beobachtung zusätzlich erschwert.

Beim Goldwaldsängermännchen ist das goldgelbe Federkleid an der Brust mit kastanienbraunen Streifen durchzogen, dies ist beim Weibchen nicht der Fall bzw. sind die Streifen viel weniger intensiv. Der Gesang des Goldwaldsängers ist ein dünnes Zirpen und Tschilpen, was auf All About Birds als “sweet-sweet-sweet-I’m-so-sweet” beschrieben wird.

Für ein schönes Video eines Goldwaldsängermännchens bitte hier klicken (im Hintergrund hört man dabei übrigens Rotschulterstärlinge schrillen). Das Video verdeutlicht auch ganz gut, dass Goldwaldsänger ständig in Bewegung sind.

Und wenn das Gold des Goldwaldsängers mal ein bisschen stumpf geworden sein sollte, nimmt er einfach ein Bad.

Das Foto wurde von Masato Nanjo aufgenommen (auf das Foto klicken zum Vergrößern).

6. Apr 2009 · Totontli · No Comments
Posted in: Arten-Amerika

Klaus Werner-Lobo: Uns gehört die Welt!

Klaus Werner-Lobo hat ein neues Buch geschrieben, das sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene richtet, aber auch für nicht mehr so junge Erwachsene sehr gut zu lesen ist. Das Thema des Buches ist im Untertitel präzisiert: Macht und Machenschaften der Multis. Werner-Lobo nimmt die Großkonzerne ins Visier und beleuchtet, wie sie sich denn abseits der täglichen Konsumspirale und des Werbebombardements verhalten. Wie ethisch handeln Großfirmen? Achten sie die Arbeitnehmerrechte? Auf welchen Wegen beschaffen sie sich ihre Rohstoffe? Fragen dieser Art wurden bereits im Vorgängerbuch „Schwarzbuch Markenfirmen“ ausgiebig beleuchtet und anhand eigener Recherchen von Werner-Lobo und Kollegen dem Leser näher gebracht. Ein größerer Teil des Schwarzbuchs ist eine Art Katalog der Markenfirmen, in welchem Infos über die Firmen und die Vorwürfe an sie aufgelistet sind. Diese Auflistung der schlimmsten Firmen wurde in „Uns gehört die Welt!“ wieder aufgegriffen, jedoch in einer etwas abgespeckten Form. Werner-Lobo scheint sich hier auf die bekanntesten und die bei jungen Menschen populärsten Firmen beschränkt zu haben. Darüberhinaus gibt es auch kurze Portraits der wichtigsten Akteure im Bereich globalisierte Weltwirtschaft, wie IWF, Weltbank, WHO, jeweils gut verdaulich auf einer Seite. Da ich das Vorgängerbuch bereits gelesen hatte, war mir einiges in „Uns gehört die Welt!“ schon bekannt, dennoch war es erfrischend, die Sachverhalte noch einmal neu formuliert zu lesen. Da der Autor sich gezielt an Jugendliche richtet, ist die Sprache stets angenehm klar und verständlich.

Letztlich münden die Berichte von Werner-Lobo über Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, Mißachtung von Grundrechten und Lobbyismus in eine Botschaft an die Leser, die vier Aufforderungen beinhaltet:

1. Lebt Eure Träume!

2. Informiert Euch und seid kritisch!

3. Zeigt Zivilcourage!

4. Handelt gemeinsam und habt Spaß dabei!

Besonders gut hat mir der Abschnitt zum Punkt 4. gefallen, in dem der Autor die jungen Menschen dazu aufruft, ob der frustrierenden Übermacht und Skrupellosigkeit einiger Konzerne nicht zu verzagen und trübsinnig zu werden. Er ermuntert sie, kreativ zu protestieren und gibt dazu einige Anregungen, die den Leser stellenweise durchaus schmunzeln lassen. Jener Abschnitt hat bei mir die Assoziation zu einem Wunsch von Prof. Bernd Senf geweckt, der sich anstatt gewaltsamer Proteste, eine Revolution des Lachens wünscht: also zum Beispiel anlässlich einer der nächsten Finanzkrisen-Hiobsbotschaft einfach herzugehen und die Verantwortlichen schallend auslachen. Sollte man wirklich mal machen.

Die Themen im Buch sind gut recherchiert, es gibt zahlreiche Links zum Weiterlesen und am Ende des Buchs stehen noch Literaturtipps. Ich würde das Buch als Einstieg in das Thema Konzernkritik und Probleme der Globalisierung auch Erwachsenen jederzeit empfehlen. Oft ist es vorteilhaft mit einem einfacheren Buch, das sich an Jugendliche richtet, zu beginnen, bevor man in das Studium hochkomplexer Fachbücher einsteigt.

Hier noch ein Clip des Autors zum Buch:

Wer sich für die Arbeit von Klaus Werner-Lobo interessiert: Er unterhält Webseiten zu diesem Buch, zum Schwarzbuch Markenfirmen und noch eine weitere persönliche Webseite und er twittert. Die Webseite zum Buch “Uns gehört die Welt!” lässt sich per Feed bequem verfolgen. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, Klaus Werner-Lobo ist auch Clown, demzufolge haben seine Buchpräsentationen einen ganz eigenen Touch.

4. Apr 2009 · Totontli · No Comments
Posted in: NON-BIRD

Immer mehr Leute hinterfragen unser Geldsystem

Es ist schon beeindruckend wie zur Zeit Initiativen von Bürgern aus dem Boden schießen, die sich grundlegenden Ursachen der momentanen Finanzkrise annehmen und konkrete Lösungen vorschlagen. Beispielhaft sei hier die Initiative per E-Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen genannt. Der Fokus geht bei etlichen Bürgerinitiativen nicht wie à la G20 auf die Steueroasen, nicht auf die Hedgefonds, nicht auf die Managergehälter, sondern auf die Probleme unseres Geldsystems.

Eine dieser Initiativen ist Global Change 2009. Ein ambitionierter Name, aber so what? Man muss sicher solch eine Sache positiv denkend und ehrgeizig angehen, sonst wird’s sowieso nichts. Die Personen hinter Global Change 2009 bezeichnen sich im Werbefilm als Ostdeutsche, die sich – stützend auf ihre Erfahrung mit der friedlichen Revolution 1989 – in der Lage sehen, eine weitere friedliche Revolution anzustoßen. Zentrales Werk der Gruppe Global Change 2009 ist ein ansprechender Animationsfilm, der die Probleme der momentanen Wirtschaftsordnung, im Film „Kapitalsozialismus“ genannt, zum Thema hat. Dieser Film wurde sogar am Rande des G20-Gipfels in London „uraufgeführt“.

Die Lösungsansätze von Global Change 2009 basieren hauptsächlich auf der Freiwirtschaftslehre, in der Geld per Umlaufsicherungsgebühr im Umlauf gehalten und vom Horten ferngehalten werden soll. Die Macher des Films haben bereits Erfahrung mit solchen Geldsystemen, sind sie doch an der Entwicklung von umlaufgesichertem Regiogeld beteiligt, nämlich dem Zschopautaler. Die Autoren des Films sehen ihre Vision für eine neue Wirtschaftsordnung als eine Kombination aus Adam Smith, einem Schuß Marx und noch mehr (ich nehme an, Silvio Gesell ist hier gemeint). Zitat von Global Change 2009: „So erreichen wir eine krisenfreie Marktwirtschaft in Frieden und Freiheit – mit wahrer Demokratie und gelebten moralischen Werten – viel mehr wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand und einem Konzept zum Erhalt unseres einzigartigen Biotops.“ Dabei träumen die Autoren von einer monopolfreien Marktwirtschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen, einem neuen goldenen Zeitalter. Ok, warum nicht, denn: “So many of our dreams at first seem impossible, then they seem improbable, and then, when we summon the will, they soon become inevitable.” Wer hätte denn schon 1988 gedacht, dass ein Jahr später das gesamte Herrschaftssystem des Ostblocks zusammenbricht.
Jetzt aber das Video, aus meiner Sicht sehenswert, ähnlicher Style wie das von Jarvis (Finanzkrisen scheinen coole Animationsfilmchen hervorzubringen):

Wer gefallen an den Ideen von Global Change 2009 findet, sollte sicherheitshalber schon mal einen Ausreiseantrag in eine bessere Welt an Angela Merkel richten.

Fehlt eigentlich nur noch, dass die Regierungen dieser Welt aus diesem reichhaltigen Pool an Ideen schöpfen, denn es gibt viel zu lernen. Aber ich vermute die Finanzlobby hat da was dagegen.

Verwandte Artikel: Silvio Gesell 1918, Wie kam es zur aktuellen Finanzkrise?

3. Apr 2009 · Totontli · 2 Comments
Posted in: NON-BIRD