Was haben Blogs mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun?

Der Handelsblatt-Webblog hat angemerkt, dass das deutsche Web 2.0 inzwischen an Reife gewonnen hat: “Mensch, deutsches Web 2.0, bist ja ganz schön groß geworden.” Als Folge dieser Reife wird das deutsche Web 2.0 aufgefordert:

“Ja, das Leben ist kein Ponyhof. Jetzt musst Du langsam mal aus dem Haus, Du Web, Du. Weg von den Eltern, auf eigenen Beinen stehen. Komm schon Web, irgendwann muss jeder mal Geld verdienen.”

Ich widerspreche und hab’s auch an dortiger Stelle kommentiert:

“Nirgends wird soviel Kreativität frei, als an dem Ort, wo kein Geld verdient werden MUSS. Die Ursache dafür nennt sich Freiheit. Plötzlich machen die Menschen, was Ihnen wirklich Spaß macht und am Herzen liegt. Hoffentlich bleibt das Web 2.0 noch lange so.”

Und ich meine mit “so”: so unkommerziell; und spreche hier von den unzähligen, unkommerziellen Blogs, die als Hobby betrieben werden. Und was hat das mit dem Grundeinkommen zu tun? Das hat Alex in jenem Eintrag des Handelsblatt-Webblog aus meiner Sicht passend kommentiert:

Götz Werner, der Gründer der Drogeriekette “dm” begründet unter anderem diesen Punkt mit seinem “bedingungslosem Grundeinkommen“. Ich bin zwar eher der Typ, der daran glaubt, dass sich Märkte selber regeln, aber in dem Punkt bin ich voll von ihm überzeugt.
Durch ein Grundeinkommen, welches jedem zusteht (lassen wir die Diskussion mit den Ausnutzern mal weg) kann sich jeder den Dingen zuwenden, die ihn interessieren und nicht denen, die er machen muss, um zu leben. Intrinsisches Verhalten nennt man (und er) das, das Verhalten aus der eigenen Motivation heraus. Extrinsisch und korrumpierend wird es, sobald Geld im Spiel ist.
Ohne es vermischen zu wollen (man kann ja auch Geld verdienen mit Dingen, die einem Spaß machen), kann man das so auf das Web 2.0 projizieren. Die “Macher”, die lassen ihrer Kreativität freien Lauf, ohne an die Monetarisierung zu denken. So entstehen die besten Ideen, die mit einer Kommerzialisierung im Hintergrund nie entstanden wären.”

Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen. Vielleicht funktioniert ein Grundeinkommen in der Realwelt ja doch.
I have a dream!

31. Mar 2009   Posted in: Internet

2 Responses

  1. Sabine Engelhardt - 31. Mar 2009

    Im Gegenteil, wenn ich mein Blog auf Gewinn ausrichten würde (z.B. durch Werbeanzeigen), dann müßte ich mich früher oder später so einrichten, daß die Werbeanzeigen den optimalen Nutzen bringen — und das würde mir den Spaß am Blog doch sehr nehmen.

    Wer für etwas bezahlt, will primär Nutzen/Gewinn haben — ob ich als Lieferant einer Leistung Spaß habe, ist ihm völlig egal.

    Im Handelsblatt-Blog heißt es außerdem sinngemäß, man frage sich irgendwann, warum man die ganze Zeit vor dem PC verbringe, wenn man doch kein Geld dabei verdiene. Die Frage stellt man mir auch immer wieder. Ja verdammt, mir macht das einfach Spaß! Leute, die den PC als ungeliebtes, “doofes” Werkzeug betrachten, sehen das ja vielleicht anders, aber haben bitteschön zu akzeptieren, daß es auch andere Ansichten gibt.

    Nur weil (mal anders betrachtet) andere Leute Spaß damit haben, bei Fußballspielen halb besoffen vorm Fernseher rumzugröhlen, muß ich das doch nicht auch toll finden. Und die bezahlt auch keiner dafür. ;-)

    Lesetip zum intrinsischen/extrinsischen Arbeiten: Pekka Himanen: Hackerethik (Titel ist etwas irreführend; der Autor vergleicht die Arbeitsweise von “Hackern” mit der “protestantischen Arbeitsethik”).

    Gruß, Frosch

  2. Totontli - 18. Apr 2009

    Danke für den Buchtipp! Das klingt interessant.

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