Der mexikanische Fischer und der Investmentbanker

Im Blog von Frank Meyer habe ich eine sehr nette Geschichte entdeckt, die schön den Wachstumswahn in unserer Wirtschaftsordnung vor Augen führt. Ein Zusatzzuckerl der Geschichte für den hiesigen mexikoaffinen Blog ist die Präsenz eines mexikanischen Fischers.

Viel Spaß beim Lesen:

Ein Investmentbanker stand in einem kleinen mexikanischen Fischerdorf am Pier und beobachtete, wie ein kleines Fischerboot mit einem Fischer an Bord anlegte; er hatte einige große Thunfische geladen. Der Banker gratulierte dem Mexikaner zu seinem prächtigen Fang und fragte, wie lange er dazu gebraucht habe. Der Mexikaner antwortete: ” Nicht lange ein paar Stunden nur.”

Warum er denn nicht länger auf See geblieben sei, um noch mehr zu fangen, fragte der Banker. Der Mexikaner sagte, die Fische reichten ihm, um seine Familie die nächsten Tage zu versorgen. Der Banker bohrte weiter: “Aber was tust Du denn mit dem Rest des Tages?” Der Fischer: “Ich schlafe morgens aus, gehe ein bisschen fischen; spiele mit meinen Kindern, mache mit meiner Frau Maria nach dem Mittagessen eine Siesta, gehe im Dorf spazieren, trinke dort ein Gläschen Wein und spiele Gitarre mit meinen Freunden, so habe ich ein ausgefülltes Leben”.

Der Banker erklärte: “Ich bin ein Harvard-Absolvent und könnte Dir ein bisschen helfen. Du solltest mehr Zeit mit Fischen verbringen und von dem Erlös ein größeres Boot kaufen. Damit könntest Du mehrere Boote kaufen, bis Du eine ganze Flotte hast. Statt den Fang an einen
Händler zu verkaufen, könntest Du direkt an eine Fischfabrik verkaufen und schließlich eine eigene Fischverarbeitungsfabrik eröffnen. Du könntest Produktion, Verarbeitung und Vertrieb selbst kontrollieren. Du könntest dann dieses kleine Fischerdorf verlassen und nach Mexiko City, Los Angeles oder vielleicht sogar nach New York City umziehen, von wo aus Du dann Dein florierendes Unternehmen leitest.”

Der Mexikaner fragte: “Und wie lange wird dies alles dauern?” Der Banker antwortete: “So etwa 15 bis 20 Jahre.” “Und was dann?” fragte der Fischer. Der Banker lachte und sagte: “Dann kommt das Beste. Wenn die Zeit reif ist, könntest Du mit Deinem Unternehmen an die Börse gehen; Deine Unternehmensanteile verkaufen und sehr reich werden. Du könntest Millionen verdienen.”

Der Mexikaner meinte: “Millionen. Und dann?” Darauf der Banker: “Dann könntest Du aufhören zu arbeiten. Du könntest in ein kleines Fischerdorf an der Küste ziehen, morgens lange ausschlafen, ein bisschen fischen gehen, mit Deinen Kindern spielen, eine Siesta mit Deiner Frau halten, im Dorf spazieren, am Abend ein Gläschen Wein genießen und mit Deinen Freunden Gitarre spielen.”

(via)

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17. Mar 2009   Posted in: Wirtschaftsordnung, Zitate, Aphorismen, Geschichten & Lyrik

2 Responses

  1. hike - 17. Mar 2009

    ich glaub die geschichte kommt auch in eschbachs “eine billion dollar” vor.

  2. Rocío Peña - 28. Apr 2009

    Este relato me recuerda mucho un cuento de Bruno Traven (este era su seudónimo) sobre una familia que hacía unos canastitos que le gustaron a un gringo que le propuso hacerlos en serie para venderlos en NY.
    Este relato y la situación que vivimos hoy en México me hace reflexionar sobre lo que los filósofos de tos los tiempos se han preguntado: el sentido de la vida, el tema es muy complejo pero creo que todos deberíamos sentarnos a reflexionar unos minutos todos los días, tal vez esto nos haría mejores seres humanos.

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