Archive for 14. Mar 2009

Dirk Müller: CRASHKURS

Als ich den Untertitel des Buches las, dachte ich mir: Uff, jetzt will mir so ein Börsenfuzzi also wieder erzählen, wie ich durch die Krise ganz schnell ganz doll reich werde. Da steht nämlich: „Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen“.

Dirk Müller: CRASHKURS

Nach der Lektüre war ich aber dann sehr positiv überrascht. Müller eröffnet sein Buch gleich mit dem Stich in eine heikle Frage: die der sogenannten Verschwörungstheorien. Er berichtet, dass er während seiner Recherchen immer wieder im Zusammenhang mit kritischen Betrachtungsweisen auf das Wort bzw. den Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ stieß. Müller stellte fest, dass alles was scheinbar nicht der offiziellen „Wahrheit“ entspricht, wie sie die breite Masse glaubt, schnell als Verschwörungstheorie abgetan wird. Scheinbar frei von der Angst als Verschwörungstheoretiker verunglimpft zu werden, räumt Müller dann auf mit den – wie er es nennt – Nebelkerzen, die geworfen werden, um die breite Masse in Sachen Wirtschaftsfragen zu verwirren und zu täuschen. Diese Nebelkerzen sind u.a.: IFO-Index, Arbeitsmarktstatistiken und Inflationsberechnung. Ein weiterer Teil des Buchs stellt die Rolle des Geldes, die Geldschöpfung und das Zinssystem dar; hier gräbt Müller auch in der Vergangenheit und stellt einen Zusammenhang zwischen Zinsverbot und dem blühenden Hochmittelalter her, in welchem viele unserer heute noch zu bewundernden Kulturbauten entstanden sind und das halbe Jahr Feiertag war.

Müller geht auch auf wichtige Akteure im internationalen Krisentheater ein; als da wären: „das“ Fed und die berüchtigten Ratingagenturen. Warum nennt er es „das“ Fed? Ja, es heißt Federal Reserve System, nicht Bank. Apropos Fed: Müller erwähnt auch in seinem Buch, dass das Fed gar nicht so “federal”, also staatlich ist, wie es scheinen wil, sondern ein Zusammenschluss eines privaten Bankenkartells. Müller reißt auch kurz die abenteuerliche Gründung des Fed im Jahre 1913 an. Im Zusammenhang mit dem föderalen Charakter des Fed hört man immer mal wieder den Spruch: „The federal reserve system is as federal as Federal Express“. Ganz lustig, wie ich finde. Weiterhin beleuchtet Müller wie es jenen Bankern der USA gelungen ist, den Dollar als Weltwährung zu etablieren und damit große Macht in verschiedenen Bereichen und Regionen auszuüben.

In den hinteren Kapiteln gibt Müller dann doch noch Ratschläge auf welche Anlageformen man setzten sollte, abhängig davon, ob man davon ausgeht, dass 2009 entweder der totale Wirtschaftskollaps ansteht oder dass es einigermaßen glimpflich abgeht. Den Abschluss des Buches bildet ein sehr eindrucksvolles Kapitel über China, so dass man schon mal auf den Gedanken kommen kann, dass das begonnene Jahrhundert sich wohl immer mehr in ein chinesisches wandeln wird. Die Macht Chinas ist nach Müllers Auffassung vielfältig. Nicht nur ist China der größte Gläubiger der USA, nein, auch sind in China drastische Maßnahmen schnell umzusetzen. Wenn z.B. ein Flughafen gebaut werden muss, dann wird der halt gebaut, ohne dass hunderte von Gutachten und Umweltbedenken berücksichtigt werden müssen. Und wenn man dazu ein paar Dörfer plattmachen muss: so what? Schließlich hebt Müller noch hervor, dass in Europa die Mentalität der Chinesen großenteils nicht verstanden wird. Hierzu zitiert er immer wieder die Wichtigkeit der Strategeme als Kern der chinesischen Denkart, welche man wohl hierzulande als Bescheisser-, Klauer- oder Tricksermentalität bezeichnen würde.

Alles in allem ist das Buch sehr flüssig zu lesen. Die trockene Materie „Wirtschaft“ wird durch Müllers lockere, fast schon als Slang zu bezeichnende Sprache sehr unterhaltsam. Den einzigen Vorwurf, den man ihm machen kann, sind die nicht existenten Quellen. Damit hatte ich wenig Probleme, da ich mich schon etwas mit der Materie befasst hatte und keine haarsträubenden Fehler entdecken konnte. Und zudem markiert Müller spekulative Annahmen und Szenarien klar, indem er es als seine persönliche Meinung darstellt. Durch das ganze Buch fordert er an vielen Stellen den Leser auf: Wenn sie das nicht glauben, dann recherchieren sie selbst und hinterfragen sie. Alles in allem: Empfehlung!

14. Mar 2009 · Totontli · 2 Comments
Posted in: NON-BIRD