Erwin Wagenhofer: Let´s make money & We feed the world

Den Beginn eines vertieften Interesses für die momentane Wirtschaftsordnung und unser Geldsystem könnte der Film „Let´s make money“ (de/at/imdb) des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer markieren. Der Film lief im Oktober 2008 in den Kinos an. Er ist das zweite größere Kinowerk von Wagenhofer, der 2005 mit dem Film “We feed the world” (de/at/imdb) die Lebensmittelindustrie unter die Lupe genommen hatte.

Beide Filme habe ich kurz nacheinander im Herbst 2008 gesehen. Ich möchte hier aus beiden Filmen Passagen herausgreifen, die bei mir den stärksten Eindruck hinterlassen haben, so dass sie mir ein halbes Jahr später immer noch sehr präsent sind.

Let’s make money (Trailer):

Die Idee zum Film erhielt Wagenhofer beim Vorbeigehen an einer Plakatwerbung einer Bank, wo zu lesen war:

“Wir lassen Ihr Geld für Sie arbeiten”

Diesem Spruch ging Wagenhofer in Rahmen seines Filmprojekts auf den Grund. Er beleuchtet schlaglichtartig unterschiedliche Schauplätze in Finanzabsurdistan. Dies sind unter anderem die Baumwollwirtschaft in Burkina Faso, Cross-Border-Leasing, Emerging Market Funds in Singapur, Private Equity, …und die Immobilienblase in Spanien, die mir seit Oktober 2008 im Hirn hängt.

Diese Immobilienblase kam zustande, indem aufgrund scheinbar paradiesisch steigender Immobilienpreise viele Pensions- und Immobilienfonds zahlreiche Bauprojekte in Form von riesigen Kunststädten an den spanischen Küsten initiieren ließen. Dabei verdient aus meiner Sicht ein Punkt besondere Beachtung: Etlichen dieser in extrem trockenen Gebieten gelegenen Kunststädten wurde ein Golfplatz dazugebaut. Warum geschah das? Mit einem Golfplatz konnte man den Anlegern noch ein paar Prozent höhere Renditen auf die Immobilienanlage versprechen, was bei den Anlegern natürlich die Dollarzeichen in den Augen wachsen ließ. Je mehr Golfplatz, desto mehr Preisanstieg. So die Logik. Das schockierende ist: Diese neu gebauten Golfplätze verzeichnen einen Wasserverbrauch, der dem von 16 Millionen Menschen entspricht. Zum Vergleich: Spanien hat 46 Millionen Einwohner. Diese Ungeheuerlichkeit zeigt, dass ökologische Aspekte bei Geldanlagen oft völlig ausgeblendet sind und dass sich Geldanlagen in einer sehr deregulierten Wirtschaftsordung hirnrissige Wege suchen können. Ein Argument mehr, um sich für ethisch-ökologische Geldanlagen zu interessieren. Rendite fällt nicht vom Himmel, vor allem hohe Rendite nicht. Wird eine vergleichsweise augenfällig hohe Rendite versprochen, ist oft Skepsis anzuraten, woher denn diese hohe Rendite rührt. Oder in anderen Worten: Auf wessen Kosten entsteht diese hohe Rendite? Im vorliegenden Fall auf Kosten der Natur und schließlich auch auf Kosten des Menschen (Wassermangel). Naja, die Natur kann sich ja nicht direkt wehren, ihre Sprache ist für den Renditejäger unverständlich. Die Menschen werden sich aber über kurz oder lang irgendwann doch mal wehren, spätestens wenn sie verdursten; falls die Golfplätze so weiter saufen.
Am Ende des Films “Let’s make money” steht dem Zuseher recht eindrucksvoll vor Augen: Geld kann nicht arbeiten. Das können nur Menschen, Tiere und Maschinen. Das wird nur allzu oft vergessen bei der Jagd nach Arbeitsplätzen für unser Geld. Durch den heutigen immensen monetären Stauungsdruck sucht sich das Geld absurdeste Wege zu seiner Vermehrung (Rendite, Rendite, Rendite…). Diese Problematik hatte ich hier bereits in einem anderen Zusammenhang angedeutet.

We feed the world (Trailer):

In diesem Film über die Lebensmittelindustrie war es auch die Rendite- und Preisbeschilderungsgeilheit, die mich verstörte. Peter Brabeck-Letmathe, der ehemalige Chef von Nestlé, wurde von Wagenhofer befragt. Brabeck-Letmathe fordert in diesem Interview für Wasser einen Preis. Entsprechend seines Plädoyers, wäre es besser, wenn man Wasser einen Wert gibt, dann gingen die Menschen sorgsamer mit dem kostbaren Gut Wasser um. Ein Grundrecht auf Trinkwasser bezeichnet er als “extrem”. Das Spiel ist klar: Nestlé als weltweit größter Produzent von Mineralwasser will natürlich seine Macht und Kontrolle im Bereich Wasser ausweiten. Gewinn über alles. Wie wär’s eigentlich damit, Luft endlich mal einen Preis zu geben?

Viel Spaß mit Herrn Brabeck-Letmathe:

Ich bin schon auf den nächsten Film von Wagenhofer gespannt. Hat er Pläne? Gibt es Gerüchte? Weiß jemand was?

11. Mar 2009   Posted in: Filme, Korporatokratie, Wirtschaftskrise

2 Responses

  1. Tobias - 29. Jul 2009

    Lets Make Money ist derzeit auch auf Youtube zu sehen. Let’s make Money von Erwin Wagenhofer

  2. Totontli - 29. Jul 2009

    Ich empfehle den Film auf DVD zu kaufen, um Erwin Wagenhofer für weitere Filmprojekte zu unterstützen.

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